Der zweite Teil dieser neuen Sendereihe über meine Suche nach der verschütteten und verschwiegenen Vergangenheit der Baumgartner Höhe, der ehemaligen psychatrischen Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke „Am Steinhof“ in Wien, welche auch die sogenannte Jugendfürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“ umfasste. Heute euphemistisch Otto Wagner Areal genannt.
In der sogenannten Jugendfürsorgeanstalt “Am Spiegelgrund” wurden in der NS-Zeit wenigstens 800 Kinder ermordet und viele weitere Menschen kamen zu Tode. Die Verbrechen in Steinhof und den vielen weiteren Einrichtungen in Deutschland oder Österreich blieben überwiegend ungestraft.
Die zugrunde liegende Ideologie endete aber nicht mit dem Nationalsozialmus und dem Krieg, sondern wirkte weiter. Der Diskurs der ‘unnützen’ Esser, des ‘unwerten oder minderwertigen’ Lebens, wird gerade in der jüngeren Vergangenheit wieder salonfähig. Da das Thema sehr umfangreich und weitreichend ist, lade ich Expert:innen zum Gespräch ein, die Teilbereiche dieser komplexen Geschichte der 1930er Jahre bis heute beleuchten.
Heute spreche ich mit der Journalistin und Publizistin Marianne Enigl, die sich sehr für diesen Themenkomplex engagiert hat und viele inzwischen verstorbene Zeitzeug:innen getroffen hat. Enigl war u.a. mehr als drei Jahrzehnte lang, bis Ende 2014, Redakteurin des österreichischen Nachrichtenmagazins profil, im Fokus ihrer Arbeit standen Sozialreportagen, Gerichtsreportagen und vor allem Berichte zur Zeitgeschichte. Ihre Recherchen trugen dazu bei, dass gegen den Wiener NS-Arzt Heinrich Gross erneut Anklage erhoben wurde. Sie ist Verfasserin zahlreicher profil-Serien, u.a. über die Gestapo und die NSDAP in Österreich, Hitlers Familie, NS-Ökonomie, Adel und Nazis. 2001 erhielt sie die Willy und Helga Verkauf-Verlon Preis für antifaschistische Publizistik und die Marietta und Friedrich Torberg-Medaille. Seit ihrer Pension ist Marianne Enigl nach wie vor politisch und sozial engagiert und bemüht sich weiterhin für eine gerechtere Welt.


