Dokumentarfilm „Inner Blooming Springs“ und Podiumsdiskussion über die Proteste in Georgien
Am Montag, den 21. September zeigte das Urania Ceenema in Zusammenarbeit mit Amnesty International Österreich den Dokumentarfilm „Inner Blooming Springs“ der georgischen Regisseurin Tiku Kobiashvili. Neben dem Film wurde auch eine Reportage über den georgischen Schauspieler Andro Chichinadze gezeigt, welcher in Folge seiner Unterstützung der Proteste seit zwei Jahren in Haft sitzt.
Während der anschließenden Podiumsdiskussion, klärten die Amnesty-Expert:innen Marcel Zippenfenig und Ruth Dellinger über die aktuelle Menschenrechtslage in Georgien auf und machten auf den Fall des inhaftierten georgischen Schauspielers Andro Chichinadze aufmerksam. Dieser wurde in Folge seiner Teilnahme an den Protesten festgenommen und zu zwei Jahren Haft verurteilt.
„Inner Blooming Springs“
Die Dokumentation Inner Blooming Springs oder im georgischen Original „Shinagani gazapkhulebis q’vaviloba“ feierte im Jahr 2025 seine Premiere bei der Berlinale und begleitet Tiku Kobiashvili und ihre engen Freunde Tina Matchavariani und Luka Chibukhaia dabei, wie sie die Zeit der Proteste miterleben und auch selbst auf die Straßen von Tbilisi gehen um zu demonstrieren. Dabei geraten auch sie und ihre Freundesgruppe in die Schusslinie der Polizei. Doch ihr Rückhalt untereinander und ihre Entschlossenheit die Geschehnisse festzuhalten sind ungebrochen. Sie versprechen sich, dass wenn jemand aus dem Kreis bei einer Demo festgenommen wird, Tiku das filmen soll. Der Film handelt von Zusammenhalt und dem Erwachsenwerden inmitten politischer Unruhen und Chaos, wobei die einzige Konstante die Freundschaft zwischen ihnen bleibt.
Die 22-jährige Tiku Kobiashvili ist Fotografin, Filmstudentin und Filmemacherin. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in audiovisueller Kunst vom Georgian Institute of Public Affairs. Derzeit absolviert sie eine Ausbildung zur Kameratechnikerin und Kameraassistentin.
Politische Situation in Georgien und die Protestbewegung
Bereits seit 2024 dauern die pro-europäischen und pro-demokratischen Proteste in Georgien an. Im Mittelpunkt stehen die Kritik an der Regierungspartei Georgischer Traum, Vorwürfe von Wahlbetrug rund um die Parlamentswahl 2024 und die zunehmende politische Annäherung Georgiens an Russland.
Ein zentraler Streitpunkt ist das „Foreign Agents Law“, das Organisationen und Medien mit erheblicher ausländischer Finanzierung zur Registrierung verpflichtet. Kritiker:innen sehen darin eine Einschränkung der Zivilgesellschaft und eine Orientierung am russischen Vorbild. Viele NGOs verweigerten die Registrierung. 2025 wurden die Maßnahmen gegen regierungskritische Organisationen weiter verschärft.
Ende November 2024 verschärfte sich die politische Situation zusätzlich: Premierminister Irakli Kobachidze kündigte eine Aussetzung des EU-Beitrittsprozesses bis 2028 an. Dies führte zu weiterer Kritik aus der Bevölkerung und Europa, während der russische Präsident Wladimir Putin die Entscheidung begrüßte.
Seitdem dauern die Proteste an. Es kommt infolgedessen zu Polizeigewalt, Verhaftungen und Strafverfahren gegen Demonstrierende, Journalist:innen und Personen des öffentlichen Lebens.
Besonders bei politischen und protestbezogenen Verfahren komme es laut Amnesty wiederholt zu Verstößen gegen das Recht auf ein faires Verfahren. Verurteilungen und Verwaltungsstrafen würden sich häufig überwiegend oder sogar ausschließlich auf Aussagen der Polizei stützen, während die Beweislast faktisch auf die Angeklagten verlagert werde. Dadurch seien Tausende Menschen mit Geld- oder Freiheitsstrafen belegt worden, ohne dass die Rechtmäßigkeit, Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen ausreichend geprüft worden sei. Gleichzeitig nehme auch der politische Einfluss auf Medien sowie auf den Kunst- und Kulturbereich zu.
Nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl 2024 weigerte sich die ehemalige Präsidentin Salome Surabischwili, die Wahl ihres Nachfolgers Micheil Qawelaschwili anzuerkennen. Wie viele Demonstrierende erkennt sie dessen Präsidentschaft bis heute nicht an. Gleichzeitig wird der politische Einfluss von Surabischwili und anderen Oppositionspolitiker:innen durch die Regierungspartei Georgischer Traum zunehmend eingeschränkt. Da es kaum noch politische Führungspersönlichkeiten gibt, die die Protestbewegung anführen, organisieren und koordinieren die Bürger:innen die Demonstrationen zunehmend selbst.
Trotz der zunehmenden Repressionen setzen sich die Proteste fort. Die Bevölkerung hält weiterhin an ihren Forderungen nach Demokratie und Freiheit fest. Gleichzeitig nimmt die internationale mediale Aufmerksamkeit für die Protestbewegung deutlich ab. Während Georgien insbesondere 2024 noch stark im Fokus der internationalen Berichterstattung stand, ist das Interesse inzwischen zurückgegangen. Die internationale Berichterstattung ist jedoch von hoher Bedeutung, damit die Proteste und die Situation der georgischen Bevölkerung nicht in Vergessenheit geraten.
Die Partei Georgischer Traum und Bidzina Ivanischwili
Georgischer Traum wurde 2012 vom Milliardär Bidzina Ivanischwili als breites Oppositionsbündnis gegen den ehemaligen Präsidenten Micheil Saakaschwili gegründet, dem dieser die Unterdrückung der Demonstartionen 2007 und eine zunehmende Kontrolle der Meinungs- und Medienfreiheit vorwarf. Die Partei gewann die Parlamentswahl 2012 und regiert Georgien seither.
Unter Iwanischwili und der heutigen Parteiführung strebt die Partei eine Politik der nationalen Souveränität, konservativer und LGBTQ+ feindlicher Werte sowie eine Annäherung an Russland an. Das Verhältnis zur EU und zu westlichen Institutionen ist dagegen konfliktreicher geworden.
Bidzina Iwanischwili ist ein georgischer Unternehmer und Milliardär, der sein Vermögen vor allem in Russland im Banken- und Rohstoffgeschäft aufbaute. Er war 2012–2013 Premierminister, zog sich danach formal aus der Politik zurück und kehrte 2023 als Ehrenvorsitzender des Georgischen Traums zurück. Aufgrund seines großen politischen und wirtschaftlichen Einflusses gilt er weiterhin als zentrale Figur der Partei.
Medieninhaber
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Produziert
29. September 2026
Veröffentlicht
29. September 2026
Ausgestrahlt
29. September 2026, 18:00
Redakteur:innen
Ines Stiermeier, Sophia Tietjen
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