Wie können wir die digitale Welt selbstbestimmt gestalten? Felix Stalder spricht über die Macht großer Plattformkonzerne, dezentrale Infrastrukturen als Alternative und einen kritischen Umgang mit KI.
Diesmal ist Felix Stalder, Professor für digitale Kultur an der Zürcher Hochschule der Künste und Autor des Buches „Kultur der Digitalität“, zu Gast. Im Gespräch mit Michael Diesenreither geht es um digitale Öffentlichkeit, die gesellschaftlichen und ökologischen Folgen von KI und die Frage, welche Handlungsmöglichkeiten Medienbildung eröffnet.
Wer bestimmt unsere digitale Öffentlichkeit?
Digitale Medien transportieren nicht nur Inhalte. Sie prägen auch, wie wir miteinander kommunizieren, uns organisieren und die Welt wahrnehmen. Stalder beschreibt, wie dabei die Macht großer Plattformkonzerne wächst: Algorithmen sortieren Informationen vor und bestimmen mit, was sichtbar wird. Generative KI geht noch einen Schritt weiter – sie liefert bereits Antworten, während wir unsere eigenen Gedanken erst entwickeln.
Welche Regeln für diese digitalen Räume gelten, liegt häufig in den Händen weniger Unternehmen. Für Stalder ist deshalb entscheidend, wer die Infrastruktur kontrolliert und welche Interessen dahinterstehen.
Rechenleistung als endliche Ressource
Ausgangspunkt der Podcastfolge ist der Protest gegen das geplante Google-Rechenzentrum in Kronstorf. Stalder kritisiert eine Digitalisierung, die auf immer größere Anlagen und steigenden Ressourcenverbrauch setzt. Er lehnt KI aber nicht grundsätzlich ab, es gibt viele sinnvolle Bereiche. Rechenleistung ist jedoch eine endliche Ressource. Deshalb müsse gesellschaftlich verhandelt werden, wofür sie eingesetzt wird. Als Alternative beschreibt Stalder kleinere, regional eingebundene Rechenzentren, deren Abwärme genutzt wird und deren Betrieb demokratischer Kontrolle unterliegt.
Erst die eigene Idee, dann die KI
„Benutzt die KI so spät wie möglich“, rät Stalder seinen Studierenden. Wer zunächst selbst überlegt und eine Idee skizziert, läuft weniger Gefahr, sich von den Vorschlägen eines Chatbots in eine vorgegebene Richtung lenken zu lassen.
Medienbildung bedeutet für ihn, Nutzen und Grenzen digitaler Werkzeuge zu verstehen und Alternativen auszuprobieren. Auch Schulen und Hochschulen müssten dafür Unterstützung erhalten: Die Entscheidung über geeignete Infrastruktur könne nicht allein einzelnen Lehrenden überlassen werden. Statt dauerhaft Lizenzgebühren an große Konzerne zu zahlen, könnten öffentliche Einrichtungen gemeinsam die Entwicklung freier Software finanzieren.
Digitale Räume selbst gestalten
Mit dem Fediverse stellt Stalder ein Modell vor, in dem unabhängig betriebene Plattformen miteinander kommunizieren können. Auch Initiativen wie servus.at in der Linzer Stadtwerkstatt zeigen, wie digitale Infrastruktur gemeinschaftlich und ohne Gewinnorientierung organisiert werden kann.
Für freie Medien sieht Stalder einen pragmatischen Weg: Soziale Netzwerke können helfen, Menschen zu erreichen. Die eigenen Inhalte und das Archiv sollten zugleich unter eigener Kontrolle bleiben. Eine andere digitale Öffentlichkeit braucht dafür mehr als technische Lösungen – sie braucht Menschen und Institutionen, die unabhängige Strukturen nutzen, mitgestalten und finanzieren.
Blogbeitrag von Felix Stalder: Eine andere KI ist möglich
Moderation: Michael Diesenreither
Der Podcast „Kompetent & Kritisch“ von Radio FRO und dem Forum Medienbildung beleuchtet zentrale Fragen der Medienkompetenz in Österreich: Welche Fähigkeiten brauchen Menschen, um sich im digitalen Informationsraum sicher, selbstbestimmt und kritisch zu bewegen – und wie können diese Kompetenzen wirksam vermittelt werden?


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