Tag der Muttersprachen 2024

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Am 21. Februar wird der internationale Tag der Muttersprachen gefeiert. Im FROzine werden zwei Projekte vorgestellt, in denen Schulkinder, die verschiedene Muttersprachen sprechen, gestärkt werden.

Sprache stärkt

“Sprache stärkt” ist ein Projekt der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich und der Bildungsdirektion Oberösterreich. Es ist nach den Covid-19 Lockdowns entstanden, da befürchtet wurde, dass es zu Kompetenzverlusten kommen wird bei Schulkindern. Besonders bei denjenigen, die nicht Deutsch als Muttersprache haben. Monika Woischitzschläger, vom Institut für Fortbildung und Schulentwicklung I an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich, hat gemeinsam mit Expert*innen “Sprache stärkt” konzipiert. Schulen können sich freiwillig melden und dann dauert das Projekt zwei Jahre. Es werden mit den Schulen Qualitätskriterien ausgearbeitet und zuerst der Ist-Zustand abgebildet. Darunter fallen Fragen wie: Gibt es Fördermaßnahmen für Kinder mit sprachlichen Defiziten? Wie werden diese umgesetzt? Wie setzt man sprachliche Bildung in jedem Gegenstand um, nicht nur in Deutsch?

Eine Frau steht vor einer weißen Wand und lächelt in die Kamera. An der Wand ist das Radio FRO Logo in Schwarz zu sehen. Die Frau ist ab der Hüfte zu sehen.

Monika Woischitzschläger

Der Fokus liegt auf Mehrsprachigkeit. Darum soll diese in den teilnehmenden Schulen sichtbar gemacht werden und den Kindern Möglichkeiten gegeben werden, ihre Mehrsprachigkeit im Unterricht umzusetzen. Mehrsprachigkeit ist ein so wichtiges Thema, weil es sich aus dem Alltag nicht wegdenken lässt, so Woischitzschläger. Laut ihr seien fast alle Personen in Österreich mehrsprachig, denn auch Dialekt fällt da hinein. Auch diese Kinder  Wenn jemand Dialekt spricht, Mühlviertel ist natürlich ein stärkerer Dialekt, dann ist das auch schon Mehrsprachigkeit und man müsse die Kinder und diese Alltagssprache, die sie führen, zur Bildungssprache bringen.

Woischitzschläger erklärt, wie sprachliche Bildung bei Kindern abläuft. Zuerst ist es wichtig den Wortschatz aufzubauen. Zuerst mit Dingen, die in der direkten Erlebniswelt der Kinder sind. Grammatik sollte von klein auf spielerisch beigebracht werden. Im Unterricht sollten Kinder nicht verbessert werden, sondern Lehrkräfte wiederholen den Satz richtig, ohne groß darauf hinzuweisen. Kinder übernehmen das Sprachbild der Lehrer*innen schnell. Hörübungen spielen auch eine wichtige Rolle, hierbei hebt Woischitzschläger positiv hervor, dass es dank Internet und Audiodateien leicht sei, den Kindern Hörübungen mit verschiedensten Sprecher*innen vorzuspielen.

Allgemein ist Lesen und Vorlesen ein wichtiges Werkzeug in der sprachlichen Bildung. Aus zweisprachigen Büchern vorlesen ist ein guter Tipp um Kinder spielerisch in ihrer Mehrsprachigkeit zu stärken.

Wenn sich Schulen für das Projekt “Sprache stärkt” interessieren, können sie sich entweder an Monika Woischitzschläger (monika.woischitzschlaeger(at)ph-ooe.at) oder an die Bildungsdirektion Oberösterreich wenden.

Sprachenvielfalt in der Volksschule

Das Projekt “Sprachenvielfalt in der Volksschule” ist vom Verein Südwind Oberösterreich initiziert worden. Darin sollen die verschiedenen Sprachen, die Kinder sprechen, sichtbar gemacht werden. Katrin von Hagke, Bildungsreferentin  bei Südwind, erklärt, dass das Projekt entstanden ist, um auf Sprachenvielfalt in den Klassenzimmern einen positiven Blick zu werfen. Sie meint, dass Mehrsprachigkeit in den Klassenzimmern zu oft im Kontext von Defiziten thematisiert wird.

Eine Frau steht vor einer weißen Wand und lächelt in die Kamera. Auf der Wand ist das Radio FRO Logo in Schwarz zu sehen. Die Frau trägt ein graues T-Shirt und einen roten Cardigan

Katrin von Hagke

Das Projekt startet damit, dass erhoben wird, welche Sprachen in der Schule gesprochen werden. Das wird dann visualisiert, mit einer Tafel, auf der “Willkommen” steht in allen Sprachen. Danach gibt es einen Workshop, in dem mit den Kindern erarbeitet wird, welche Sprachen in ihrer Klasse gesprochen wird, wie sich Sprachen entwickeln und welche Wörter aus anderen Sprachen übernommen wurden. Den Kindern wird das Gefühl vermittelt, dass es etwas tolles ist, dass sie mehrere Sprachen sprechen können. Von Hagke findet es wichtig, dass eine Wertschätzung gegenüber allen Sprachen stattfindet, Kinder würden andere Reaktionen bekommen, ob sie jetzt Französisch oder Albanisch sprechen würden. Schulen machen teilweise nach den Workshops selbstständig weiter und bringen Mehrsprachigkeit durch zum Beispiel Sprachenfeste in den Vordergrund.

Von Hagke erzählt von einer Lehrerin in Attnang-Puchheim, die Mehrsprachigkeit in ihrem Unterricht sehr wertschätzend umsetzt. Da werden Kinderreime im Morgenkreis in verschiedenen Sprachen gelernt, oder Textzeilen des Liedes We Are The World den Kindern mit nach Hause gegeben um übersetzt zu werden. Das wird dann mehrsprachig gesungen. Von Hagke merkt an, dass Sprachwissenschaftler*innen davon ausgehen, dass es nicht sinnvoll ist, Kinder dazu zu “zwingen” Deutsch zu sprechen. Es hilft nicht, Kinder dabei zu motivieren Deutsch zu lernen. Am besten ist es, die Muttersprache als Basis herzunehmen und darauf aufzubauen.

Die Reaktionen auf das Projekt sind durchwegs positiv, Südwind möchte es gerne weiterführen, haben aber keine Förderungen mehr von der Integrationsstelle Oberösterreich dafür erhalten.

Das Statement von der Integrationsstelle, von Simon Ziegelbäck per Mail an Aylin Yilmaz verfasst, lautet folgendermaßen:

“Vorerst ist es uns wichtig zu betonen, dass diese Entscheidung keinesfalls eine Geringschätzung der Mehrsprachigkeit darstellt. Die Bedeutung von Mehrsprachigkeit in einer globalisierten und pluralen Welt ist ein wesentlicher Mehrwert für die Gesellschaft und vor allem auch für einen selber.

Die Schwerpunkte der Fördervergabe orientieren sich an spezifischen Zielen, die mit der Integrationsarbeit in Oberösterreich verfolgt werden. Diese Schwerpunkte wurden nach sorgfältiger Überlegung und mit Blick auf den aktuellen Bedarf festgelegt. Im Folgenden möchte ich Ihnen einen detaillierteren Einblick in unsere Förderschwerpunkte geben, um unser Förderkonzept besser zu veranschaulichen:

  1. Schwerpunkt Sprache: Hier liegt der Fokus auf der Vermittlung der deutschen Sprache. Dies umfasst die Förderung von Deutsch- und Alphabetisierungskursen, niederschwelligen Sprachangeboten sowie alltagsrelevanten Kursformaten. Ein Beispiel hierfür sind Kursangebote wie “Mama lernt Deutsch” oder Alltagsdeutschkurse, die auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten sind.
  2. Schwerpunkt Arbeit: Dieser Bereich konzentriert sich auf die Unterstützung beim Einstieg und die Vermittlung in das Berufsleben oder in eine Ausbildung. Ein Beispiel hierfür sind Qualifizierungsmaßnahmen bereits im Rahmen der Grundversorgung oder Projekte, welche auf die Vernetzung und Unterstützung von migrantischen Personen mit lokalen Unternehmen & Betrieben fokussiert sind. Diese Programme sind auf die Bedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund abgestimmt.
  3. Schwerpunkt Respekt: In diesem Bereich liegt der Schwerpunkt auf der Vermittlung von Werten und Respekt. Zum Beispiel durch das Aufzeigen von Chancen mittels positiver Vorbilder/Role Models soll gezeigt werden, dass Erfolg nicht von der Herkunft, sondern von individuellen Fähigkeiten und eigenem Engagement abhängt und das bereits im Jugendalter. Die Vermittlung von Normen und Grundlagen unseres Zusammenlebens wird aber auch im Kontext von Gewaltprävention, Deradikalisierung und der Prävention von Jugendkriminalität verstanden.

Der Fokus auf diese Schwerpunkte und die Verfolgung der Zielsetzungen sind aber nur mit dem Einsatz begrenzter Ressourcen möglich. Die Beurteilung der eingereichten Projekte, sowie die Vergabe von Fördermittel werden daher jährlich entsprechend angepasst.”

 

Infos zum Projekt von Südwind: Sprachenvielfalt in der Volksschule
Instagram Account der Lehrerin aus Attnang-Puchheim zu Mehrsprachigkeit im Unterricht: Sprachenvieltfalt.Schule

 

Sendungsmoderation: Aylin Yilmaz

CC-Musik:

Rika – Fight Fire With Fireworks

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