Totentanz
Folge 2 der Podcast-Staffel: Friedensaktivistinnen – Auf Spurensuche in Wien
In dieser vierteiligen Podcast-Staffel möchte ich die vergessene Geschichte Wiens und seiner Friedensfrauen erzählen. Ich lade euch, liebe Hörer*innen, ein, darüber zu reflektieren, welche Lehren wir aus dieser Vergangenheit ziehen können. Verleihen wir verdrängten Friedensideen ein Gehör:
In der zweiten Folge dreht sich alles um die geschäftige Yella Hertzka (1873 – 1948). Sie ist eine Vertreterin der bürgerlichen Frauenbewegung und war in unterschiedlichsten Rollen und Aufgabengebieten tätig. Ihre Anliegen waren Pazifismus, Bildung von Frauen und ihre beruflichen Befähigungen.
1873 Geboren in einer jüdischen, großbürgerlichen Familie
1903 Mitbegründerin des „Neuen Wiener Frauenklubs“.
1912 Gründung der ersten höheren Gartenbauschule Österreichs für Mädchen in Wien-Grinzing.
1921 – 1938 Präsidentin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF), der Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF).
1932 – 1938 Leitung des Musikverlags „Universal Edition“; sie setzte sich für die Förderung zeitgenössischer Musik ein (u.a. für Maria Hofer – Totentanz).
1939 Flucht nach London
1947 Rückkehr nach Wien
1948 Lebensende
Im Gespräch mit:
Clara Anna Egger promovierte an der Universität Wien mit einer Doktorarbeit zur internationalen Frauenfriedensbewegung der Zwischenkriegsjahre. Sie war als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut der Zeitgeschichte tätig und erhielt mehrere Förderstipendien für ihr Dissertationsvorhaben. Ihr Folgeprojekt setzt sich mit dem Thema Trauma im Kontext des 1. Weltkrieges auseinander.
Martina Kalser-Gruber ist promovierte Musikwissenschafterin und Promotion Managerin bei Universal Edition, wo sie Intendant*innen und Dirigent*innen berät und im künstlerischen Ausschuss des Verlags mitarbeitet. Zuvor wissenschaftlich an der Universität Wien und der Donau-Universität Krems tätig, lehrt sie bis heute regelmäßig und bringt ihre Forschung zu Musik, Kommunikation und Leadership in die Praxis ein.
Mehr Infos unter:
https://magazin.wienmuseum.at/zum-150-geburtstag-von-charlotte-glas-und-yella-hertzka
https://abfang.org/wilpf-austria/
Fotocredits und Sendungsgestaltung: Tania Napravnik
Dieser Beitrag wurde im Rahmen des fjum – Recherche:Wien – Stipendium 2025 gestaltet.
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„Die Aufklärung vor Europa retten“ – ein Gespräch mit Nikita Dhawan
[Sendungsübernahme von A Cup of Care – Erstausstrahlung am 27. Juli 2025, 10:00 Uhr]
Nikita Dhawan ist Professorin für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte an der TU Dresden. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Globale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Demokratie und Dekolonisation. Auf Einladung des VIDC war sie im Mai 2025 in Wien, um über ihr 2024 erschienenes Buch « Die Aufklärung vor Europa retten » zu sprechen. Im Rahmen dieses Besuchs sprach Ute Mayrhofer mit der Politikwissenschafterin.
Nikita Dhawan würdigt Immanuel Kant als eine der bedeutendsten Figuren der Aufklärung. Kants berühmte Definition von Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ ist für sie nach wie vor wegweisend. Seine Aussage, dass alle Menschen unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Geschlecht gleiche Würde besitzen, sei historisch revolutionär gewesen.
Gleichzeitig betont Dhawan, dass Kant rassistische, sexistische und antisemitische Ansichten vertrat – eine Ambivalenz, die für viele aufklärerische Denker*innen typisch sei. Sie plädiert daher für eine Auseinandersetzung mit der Aufklärung, die sowohl ihre emanzipatorischen als auch ihre gewaltvollen Seiten anerkennt. Die Kritik an Kant bedeute für sie nicht eine Ablehnung, sondern eine ernsthafte Beschäftigung mit seinen Ideen und eine notwendige Revitalisierung der Aufklärung. Denn einerseits habe sie bedeutende Emanzipationsbewegungen inspiriert – etwa die Französische und Haitianische Revolution, den Marxismus, Sozialismus und Feminismus. Andererseits sei sie auch zur Rechtfertigung von Sklaverei, Kolonialismus und Umweltzerstörung herangezogen worden.
Sendungsgestaltung: Ute Mayrhofer, A Cup of Care
Musik:
Respect – Aretha Franklin
El Español – Las Hermanas Caronni
Fotocredits: William Navarro









