Liebe alle,
der vor Kurzem verstorbene Gitarrist Phil Upchurch war ab den späten
1960ern so etwas ähnliches wie „a secret agent of double O Funk“:
Als Jugendlicher bei Jimmy Smith ins Business eingeführt, hat er immer
funky und elegant, niemals schreierisch Schlüsselplatten der
Musikgeschichte geprägt und veredelt (ua Alben von Donny Hathaway – auf
der berühmten „Live“-LP! -, Chaka Khan, Curtis Mayfield, George Benson,
Michael Jackson, Rotary Connection). Sogar Muhammad Ali hat sich für „I
am the Greatest“ seine musikalische Unterstützung gesichert.
Phil Upchurch hat auch großartige Solo-LPs gemacht, ua „Upchurch (Black
Gold)“ (1969) und „Darkness, Darkness“ (1972), eine 1971 aufgenommene
Doppel-LP. Zu Letzterer kam es, nachdem Upchurch mit Donny Hathaway 1970
ein Konzert gespielt hatte: Der Musikmanager Tommy LiPuma nahm Upchurch
direkt nach dem Konzert noch am Parkplatz unter Vertrag.
Über „Darkness, Darkness“, auf der Upchurch ua James Brown covert,
schreibt Thom Jurek auf allmusic
(https://www.allmusic.com/album/darkness-darkness-mw0000464765 ):
„There isn’t anything extra in his silky approach, but a profound
knowledge of when to move and when to slip, slide, and groove through
these charts– is Upchurch’s trademark. Virtually no one else could take
a raw tune like „Cold Sweat,“ smooth it out, and still give it the mean,
lean read that Upchurch does. His fingers are flying all over the place
but are never outside the reach of the rhythm section. Darkness,
Darkness is 1971’s soul-jazz album to beat, and despite its
under-recognition at the time–it is one of, if not the, decade’s finest
albums in the genre, period.“
Lobeshymnen wie diese verdienen akustische Beweise! Wir wollen sie Euch
liefern.
Außerdem:
Derzeit läuft der jüngste Film des südkoreanischen Filmregisseurs Park
Chan-wook: „No other choice“ (basierend auf dem Roman The Ax von Donald
Westlake) im Kino (2025 Venedig, Goldener Löwe, Bester Film). Ein
Thriller mit perfekt komponierten Bildern, eine Satire, eine Abrechnung
mit der Grausamkeit, die ein Familienvater in sich entdeckt, um seinen
hart erarbeiteten Status in der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft,
koste was es wolle, zu beschützen, als er den Job verliert. Wir wollen
nichts verraten, aber die Musik und die Sinnlichkeit des Tanzes sind
Schlüsselelemente des Films – auch was die Verbindung des
Hauptprotagonisten Man-su und seiner wunderschönen und klugen Frau Mi-ri
betrifft.
In einer Szene voller gemeinsamer Lust taucht als Soundtrack ein von uns
geliebter Track auf: „Loie“, eine wunderbare Bossa Nova-inspirierte
Zartheit des 1963 verstorbenen Saxophonisten Ike Quebec, genial
begleitet ua. vom Gitarristen Kenny Burrell.
Das inspiriert uns dazu, Euch allen in der kommenden Kraft & Hell
Sendung auch ausgewählte Tracks von Ike Quebec und Kenny Burrell zu
kredenzen (Quebec von „Blue and Sentimental“ (1961) und „Bossa Nova Soul
Samba“ (1962), Burrell mit seinem Trio live im Village Vanguard (1959)
oder „Midnight Blue“ (1963). Ike Quebec starb 1963 viel zu früh mit 44
Jahren. Kenny Burrell wird heuer 95 Jahre alt. Long may you run.
Im Gepäck zur Sicherheit außerdem mit dabei: Nachdem das letzte Mal so
viele von Euch so hymnisch reagiert haben, mehr von Miles Davis samt
John Coltrane im Tau 1960 live in Paris, aber auch ein besondere Track des schwedischen Saxofonisten Lars Gullin.
In diesem Sinne: Nerds are welcome, and all the rest of you, too.
Zu hören sind wir als LIVE STREAM via www.o94.at, auf der Frequenz UKW
94.0 und im Kabel auf der Frequenz 92,7. Den Podcast zum Nachhören gibt
es nunmehr sowie zu vielen anderen alten Sendungen von Kraft & Hell,
appetitlich und übersichtlich geordnet, unter dieser
URL:https://cba.fro.at/series/kraft-hell
Bis dahin: Liebe Grüsse!
Die Herren Kraft & Hell
