JAN JOHANSSON – JAZZ PA SVENSKA / KEITH JARRETT / JEFF BECK / DAVID
BOWIE / SAULT / MILES DAVIS & BILL EVANS
Liebe alle,
Frohe Pfingsten! Morgen am Samstag wird in Wien um 5:06 die Sonne aufgehen, der Tag wird
15 Stunden 31 Minuten lang sein und der Sonnenuntergang wird um 20:37 passieren. Deutlich mehr als zwei Drittel des Tages wird das Licht leuchten. Das euphorisiert und nährt die Lebensgeister. Alles blüht, egal wie trist sich die Welt gebärdet.
In diesen Tagen gibt’s wieder Jubiläen, die überall gefeiert werden:
Miles Davis, für den wir bei Kraft & Hell ohnehin immer Festspiele
veranstalten, hätte in wenigen Tagen seinen 100. Geburtstag gefeiert.
(Hätte es ihn gekümmert? Wohl kaum.) David Bowie, den wir schon in der letzten Sendung für seine vor 50 Jahren
veröffentlichte geniale „Station to Station“-LP gefeiert haben, ist
heuer vor 10 Jahren gestorben. Warum hören wir nicht auf, diese Künstler
zu feiern? Was eint sie? Dass sie als Menschen für Menschen ihre Seele
öffnen und ausbreiten und in Interaktion mit allen treten, die zuhören
wollen. Authentisch. Nicht vorfabriziert. Nicht zugekleistert. Immer auf
der Suche. Ringend. Manchmal gelingts.
So ging es David Bowie, als er im Herbst seiner Karriere 2004 auf der
Tour für seine damals neue LP „Reality“ in Dublin Station machte und für
ein Live-Album über 2 ½ Stunden großartig gelaunt und begleitet von
großartigen Musikern wie Earl Slick in seinem Werkkatalog kramte. Und
ein Juwel nach dem anderen präsentierte.
Vom Gitarrengott Earl Slick zum nächsten: Jeff Beck. Wir haben zuletzt
diesen unpackbaren Mitschnitt aus dem Jahr 2007 entdeckt, ein Live-Cut
aus dem Ronnie Scott’s in London:
https://www.youtube.com/watch?v=X5OT7f5hetM&list=RDX5OT7f5hetM&start_radio=1
Sein Cover von Charles Mingus „Goodbye Pork Pie Hat“ hat er erstmals 1975
auf der LP „Wired“ veröffentlicht. Zu diesen Jahren von Jeff Beck kehren
wir zurück.
Was wird’s noch geben? Miles Davis mit Bill Evans 1958, weil wir den
Jubeltag von Miles doch würdigen wollen. Und aktuell dann aus London Material der allerneuesten LP
von Sault, SoulFunkGospel-Grooves mit Antennen in den Himmel und für das Paradies auf Erden.
Und dann noch Folgendes:
Im Norden wird das Leuchten in diesen Wochen vor und nach der
Mittsommernacht zum Rausch. Die Menschen sind im euphorischen Hoch. Und
so verwundert es nicht, dass im Mai 1964 in Schweden Aufnahmen für eine
bis heute legendäre LP fertiggestellt wurden: „Jazz pa Svenska“ (Jazz
auf Schwedisch) des Pianisten Jan Johansson. Es ist die meistverkaufte
schwedische Jazzplatte aller Zeiten (siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Jazz_p%C3%A5_svenska ) und wurde von
Johansson in Begleitung des Bassisten Georg Riedel eingespielt. Vertont,
verjazzt und auf diesem Weg neu erfunden wurden dabei traditionelle
Schwedische Tanzlieder. Die Arrangements sind sparsam, der Klang ist von
unglaublich warmer Intimität und konzentrierter Kraft und zugleich
klingt das wie eine Kreuzung aus Bach, Grieg und Keith Jarrett. Die LP
war Epoche-machend für den skandinavischen Jazz insgesamt.
Das bringt uns zu Manfred Eicher, ECM-Records und Keith Jarretts erster
Solo-Piano-LP aus 1972, „Facing You“. Eicher liebte es in den 1970ern,
in Skandinavien Aufnahmen mit nach Europa gebrachten US-Jazzern zu
produzieren. „Facing You“ wurde an einem Tag während einer Tourneepause
vom damals 26-jährigen Jarrett Ende 1971 in Oslo aufgenommen. Auch diese
LP gilt als Wasserscheide, die den Jazz für immer verändert hat. An
instant classic, von Rolling Stone, Downbeat & Co sofort in den Olymp
gehoben. Eicher hatte den damals von Columbia fallen gelassenen,
Label-hüpfenden Jarrett angesprochen und dieser war vom
nicht-kommerziellen Ansatz von Eicher begeistert. In einem
Downbeat-Interview aus dem Jahr 1974 (10.10.1974 mit Bob Palmer, hier
zitiert https://en.wikipedia.org/wiki/Facing_You ) sagte Jarrett dazu:
„If I hadn’t found him there would be no solo albums, no Facing You, let
alone a successful triple album. I would have a desk full of scores that
have never been rehearsed, not to mention played or recorded. There’s no
way I can repay that possibility having come to me so early and at such
a good time except to produce more music for ECM. They took the risk and
the expense, or Manfred did.“
Danken wir Manfred Eicher auf ewig. Er wird am 9. Juli 83 Jahre alt.
In diesem Sinne: Nerds are welcome, and all the rest of you, too.
Zu hören sind wir als LIVE STREAM via www.o94.at, auf der Frequenz UKW
94.0 und im Kabel auf der Frequenz 92,7. Den Podcast zum Nachhören gibt
es nunmehr sowie zu vielen anderen alten Sendungen von Kraft & Hell,
appetitlich und übersichtlich geordnet, unter dieser
URL:https://cba.fro.at/series/kraft-hell
Bis dahin: Liebe Grüsse!
Die Herren Kraft & Hell
