Als der Bosnienkrieg ausbricht und die Belagerung Sarajevos beginnt, ist Tijan Sila 10 Jahre alt. Bis 1992 hat er mit seiner Familie in der bosnischen Hauptstadt gelebt und dort eine ganz gewöhnliche Kindheit verbracht. Der jähe Kriegsausbruch verändert alles. Er verwandelt den friedlichen Alltag schlagartig in reinen Überlebenskampf und reißt Gräben zwischen einander eigentlich vertrauten Menschen.
Wie er als Heranwachsender diese Zeit im Ausnahmezustand erlebt, wie seine Eltern versuchen, trotz aller Versorgungsengpässe die Familie zu ernähren, wie er mit seinen Freunden durch die belagerte Stadt streift und das Radio dabei für sie zum einzigen Tor zur Welt wird – all das beschreibt Tijan Sila auf verblüffend leichte Art und Weise.
Es ist die Sicht eines Kindes und Jugendlichen, der erst lernen muss, dass Erwachsene nicht alles besser wissen, sondern oft nur so tun. Für den der Dauerbeschuss, das Verschwinden von Menschen und eine zunehmende Verrohung zur neuen Normalität werden. Und der erst in der Rückschau begreift, welche Spuren der Krieg in jedem Menschen hinterlässt.
In der Sendung zu hören ist ein Interview mit Sara Ostertag und Ausschnitte aus dem Stück Radio Sarajevo.
Die renommierte Regisseurin hat seit Herbst 2025 auch die künstlerische Geschäftsführung des Wiener TEATA in der Gumpendorfer Straße inne. In einer Koproduktion mit dem Landestheater Linz inszeniert sie zur Live-Musik von Jelena Popržan Silas ergreifenden Roman als mehrsprachige Reise ins Sarajevo der 1990er.
Sprachen: Deutsch, Bosnisch, Serbisch, Kroatisch mit deutschen Übertiteln.
Fotocredits: Herwig Prammer