Boris Bukowski erzählt aus seinem Leben

Podcast
„Vordergründig – Hintergründig“ – die Porträtreihe abseits des Mainstreams
  • 2026-05-11 Boris Bukowski erzählt aus seinem Leben
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„Boris fucking Bukowski – eine Legende, Oida“, hat Marco Wanda 2024 beim Konzert auf der Donauinsel gebrüllt, nachdem der letzte Ton des Bukowski-Hits „Kokain“ verklungen ist. Marco und Boris haben „Kokain“ im Duett gesungen. Am 5. Februar 2026 ist Boris Bukowski 80 Jahre jung geworden. Im Podcast spricht der Sänger aus der Steiermark über Meilensteine seiner knapp 60jährigen Karriere. Aber vor allem wie es Boris geschafft hat, trotz Krebserkrankung nie seinen Lebensmut zu verlieren.

geplantes Live-Album

Boris denkt derzeit auch über die Produktion eines Live-Albums nach. Auf seiner Jubiläumstour 2026 spielt er zahlreiche Open Airs, die werden mitgeschnitten. Nach der Aufnahme ist vor dem Studio-Mix, erklärt Boris. Es wird intensiv am Sound gebastelt. Das bedeutet viel Arbeit, deshalb sind neue Songs derzeit noch kein Thema. Zudem ist die Produktion und Veröffentlichung eines neuen Albums nach wie vor mit hohen Kosten verbunden. Live spielt Boris mit seiner Band „die bunten Hunde“. Aber auch im Duo ist er zu erleben. Im Programm „Bukowski privat“ erzählt er pointierte Stories aus seinem Leben. Boris bringt also seine Hits und erlebte Storys auf die Bühne – Damit hat er Erfolg. Aussagekräftige deutschsprachige Texte mit exzellenten Rock-Riffs vereinen, das ist Boris Ziel. Präzise Arbeit, die niemals schlampig werden dürfe, so würde der Weg zum Erfolg führen, sagt der Sänger. Manche Bukowski-Songs sind im Team entstanden. So wie „Im Namen Gottes. Amen“, den Boris gemeinsam mit EAV-Mastermind Thomas Spitzer geschrieben hat. Thomas Spitzer hat mit seinen Text-Beiträgen den Song vollendet, zu Boris vollster Zufriedenheit: Einer meiner absoluten Lieblingstexte, die ich da mit Tom zusammen fabriziert habe, erklärt der Sänger. 1991 ist „Im Namen Gottes. Amen“ auf dem Album „Ganz stark im Kommen“ erschienen.

„Wir sitzen auf den Schultern von Riesen“ 

Boris und der etwas jüngere Thomas Spitzer tragen jenen revolutionären Geist in sich, der für die Jugend der Nachkriegsgeneration steht. Vor allem prägt Musik aus den USA und Großbritannien den revolutionären Geist der 1960er Jahre. Im Gegensatz zu heute ist es damals allerdings nicht möglich, rund um die Uhr Songs hören zu können. In Boris Jugend ist Musikhören daher ein großes Erlebnis. „Wir sitzen auf den Schultern großer Künstler, von denen stets Inspiration ausgegangen ist“, erklärt Boris Bukowski. Zu seinen Musik-Riesen zählt Boris unter anderem auch „Fleetwood Mac“. Besonders das Album „Rumors“ hat es dem Sänger angetan. Ein weiterer All-Time-Favorit ist für Boris Bukowski Jimmy Hendrix „Hey Joe“, ein Song über Liebe, die sich nicht erzwingen lässt und schon gar nicht durch brachiale Gewalt zu kriegen ist. 1993 hat Boris „Hey Joe“ gecovert. In meiner Version von „Hey Joe“ habe ich versucht, nicht zu moralistisch zu sein, erklärt der Sänger, „sondern knallhart darzulegen, wie schlimm es ist, was Joe vorhat: Eben aus Eifersucht eine Frau zu töten.“

Poppendorf 1971

Boris Bukowskis früheste Versuche, eine Musikerkarriere zu starten, finden in Burgenländischen Gasthäusern statt. Boris und seine Band dürfen hier spielen. Allerdings nicht in der für ein Rock-Konzert üblichen Länge von 2 mal 45 Minuten, sondern gleich 6 Stunden lang. Bald findet Boris den Weg raus aus den Gaststuben Richtung Pop-Feste auf der Grazer Uni. Ebenso spielt er im Haus der Jugend, dem heutigen Orpheum Graz. Daneben maturiert Boris und studiert Jus. Als Schlagzeuger ist Bukowski in diversen Gruppen engagiert, unter anderem bei „Music Machine“. Hier spielt er mit Schulfreund Schiffkowitz, der später mit STS zum Pop-Star aufsteigt. Zum ersten großen Höhepunkt für viele Musiker aus der Steiermark wird das Pfingstwochenende 1971: Music Machine spielt beim Steirischen Woodstock neben dem austro-kanadischen Folksänger Jack Grunsky und der Wiener Punkband Nowaks Kapelle als Headliner. Die Wiese vor Schloss Poppendorf in der Südoststeiermark ist zum Festivalgelände geworden. An die 3.000 Leute versuchen, die Hippie-Kultur so gut wie möglich zu adaptieren. „Nowaks Kapelle“ tut sich mit dem steirischen Publikum allerdings schwer. Der Punk zählt in jenen Jahren noch nicht zu den Hörgewohnheiten der steirischen Jugend. Auch das teils ruppige, teils arrogante Gehabe der Band kommt nicht gut an. Das Publikum beginnt Nowaks Kapelle auszubuhen.

Von „Music Machine“ zu „Magic 69“ 

Nach dem Festival wechselt Boris die Band: Von „Musik Maschine“ kommt er zu „Magic 69“: Gemeinsam mit Wilfried wird ein alter Kinosaal als Proberaum genützt: Boris hat sein „Ludwig Double Base Drum Set“ verloren. „Eines der besten, das es damals gegeben hat“, erklärt er. Außer ein paar halbverkohlten Metallreifen von den Trommeln ist davon nichts übriggeblieben. Auch Robby Musenbichlers Fender Stratocaster ist kaputt. Die Flammen haben den Hals weggebrannt. Und Andi Beits Hammondorgel gleicht einem Baumstumpf. Boris und seine Kollegen nehmen nun eine Gegenposition ein: Demonstrativ setzen sie sich im Proberaum auf verkohlte Kinosessel und machen ein Foto, auf die Wand schreiben sie: Magic – die Band, die noch Feuer hat. Magic lässt sich nicht unterkriegen, probt, spielt Konzerte und nimmt 1977 das deutschsprachige Album „Ich bin müde“ auf. Boris hat zu dieser Zeit bereits vom Schlagzeug zum Mikrophon gewechselt. Die Verkaufszahlen des Albums „Ich bin müde“ sind mäßig. Gitarrist Robby Musenbichler arbeitet gegen Ende der 1970er Jahre bereits für „Boney M“-Produzent Frank Farian. Das zweite Magic-Album „Herzflimmern“ soll nun im neuen Farian-Studio in Frankfurt aufgenommen werden und zum Hit avancieren. Doch die Aufnahmen misslingen. Die Akustik ist schlecht, das Album klingt daher nicht gut. Die zweite Magic-LP verkauft sich somit noch schlechter als die erste. Doch nicht nur die Akustik sei Schuld am Debakel gewesen, erklärt Boris. „Rock-Songs müssten für das Publikum eben auf Englisch gesungen werden.“ Boris und seine Kumpel sehen nun keine Chance mehr für „Magic“ und es kommt im Grazer Orpheum zum Abschiedskonzert. Auch wenn Fans und Kritiker hinter Magic stehen, ist der Zauber am Ende. Was bleibt, sind drei Langspielplatten, zehn Singles, Hitparadenplatzierungen und zahllose Tourneen. Aber auch einige Songs, die Boris später als Solo-Künstler covern und zum Hit machen wird. Darunter „Euer Fritze mit der Spritze“.

Das Magic Sound Studio 

Nach dem Ende von Magic bauen Boris und Magic-Keyboarder Andi Beit in Graz das „Magic-Sound-Studio“ auf und legen somit die Grundsteine zum Erfolg unter anderem von STS und der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, die dort zu Beginn ihrer Karrieren aufnehmen. Um am Puls der Zeit bleiben zu können, muss regelmäßig in das Studio investiert werden. Mehrmals verpfändet Boris seine Garçonnière, um beispielsweise eine Mehrspurbandmaschine oder ein großes Mischpult finanzieren zu können. Und wieder stellt sich die berufliche Überlebensfrage. Nachdem Boris Bukowski und Andi Beit erfolgreich ein Tonstudio betreiben, wird klar, dass Boris wohl nicht mehr in einen bürgerlichen Beruf einsteigen würde. Sein Vater war Rechtsanwalt, sein Bruder ebenfalls Jurist. Auch Boris hat Jus studiert und es ebenso zum Doktor gebracht. Nachdem es die Gruppen EAV und STS an die Spitze der österreichischen Charts geschafft haben, fasst auch Boris Bukowski Mut, es noch einmal zu probieren, diesmal als Solo-Künstler. 1985 ist es dann soweit: Boris produziert sich im Magic-Sound-Studio selbst. Im selben Jahr ist er mit dieser Produktion beim österreichischen Musik-Award „Pop Amadeus“ als „bester Nachwuchskünstler“ nominiert und das mit 39 Jahren. Auf den ersten drei Alben von Boris Bukowski finden sich auch Magic-Covers. Auf der ersten LP „Euer Fritze mit der Spritze“ auf der zweiten „Kokain“ und auf der dritten „Fandango“. Für das Album „100 Stunden am Tag“ aus 1989  hat sich Boris internationale Studiomusiker ins Produktionsteam geholt. Am Schlagzeug spielt Curt Cress und den E-Bass zupft Tony Levin von der Peter Gabriel Band. Für Boris eine interessante Erfahrung. „100 Stunden am Tag“ Titelsong des Albums von 1989, das in Österreich vergoldet wird, Platin wird nur knapp verfehlt. Mit dem Erfolg des Albums „100 Stunden am Tag“ prolongiert Boris seinen Erfolgslauf, der bereits zwei Jahre zuvor mit der Solo-Veröffentlichung von „Kokain“ begonnen hat. „Kokain“ ist ein harmloses Liebeslied. Aufgrund des Titels wird es aber vorerst nicht im Radio eingesetzt. Bis Ö3-DJ Eberhard Forcher von der Nummer nicht genug bekommen kann. Boris setzt gegen Ende der 1980er Jahre zum Karrierehöhepunkt an. Er spielt große Konzerte, unter anderem im Wiener Konzerthaus, am Donauinselfest und in der Wiener Stadthalle. Und Ende 1991 will die Plattenfirma den Sänger in Deutschland groß rausbringen. Als  Boris Förderer Roman Rybnikar allerdings in die Klassik-Abteilung aufsteigt, wird die für Bukowski angedachte PR-Kampagne stillschweigend abgeblasen. Nachdem Boris erkennen muss, dass es für ihn am deutschen Markt schwer ist, konzentriert er sich auf Österreich, bringt neue Alben heraus, spielt Konzerte und dreht mit Peter Patzak 1993 den Spielfilm „Das Glück liegt in Waikiki“.

Dancing Stars und die Diagnose Krebs

2021, Boris hat zuvor einige Jahre eine künstlerische Pause eingelegt, bekommt er die Einladung, bei „Dancing Stars“ dabei zu sein, die er gerne annimmt. 2022, also kurz nach Dancing Stars, dann der Schock: Boris Bukowski erhält die Diagnose „Non-Hodgkin-Lymphom“, eine besonders aggressive Form von Krebs. Boris muss alle Gigs verschieben. Sämtliche Veranstalter stehen allerdings zu ihm und buchen den Sänger fix für die Zeit nach seiner Genesung. Ende des Jahres 2023 dann die ärztliche Bestätigung: Die Lymphome sind verschwunden.Wissenschaft und Medizin sind in Riesenschritten weitergekommen, das hat mir geholfen“, freut sich Boris und schätzt sein Leben vor dem Tod nun noch mehr. Wertschätzung für Boris kommt mittlerweile auch von der Austropop-Szene 2.0. 2024 lädt Marco Wanda Bukowski ein, mit ihm auf der Bühne „Kokain“ zu singen und zwar in der Wiener Stadthalle und einige Monate später am Wiener Donauinsel-Fest.

Sämtliche Termine und weitere Infos können auf Boris Homepage unter: bukowski.at abgerufen werden.

Text: Peter Pohn

Foto: bukowski.at

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