Der Bildterrorismus der RAF im Deutschen Herbst von 1977

Podcast
FROzine
  • Der Bildterrorismus der RAF im Deutschen Herbst von 1977
    24:24
audio
56:00 Min.
Die Künstlerin Xian Zheng ; Wahlen in Ungarn
audio
14:51 Min.
Beitrag: Wahlen in Ungarn: Welche Szenarien sind möglich?
audio
50:03 Min.
Freiwilligenmesse an der JKU
audio
50:37 Min.
Armut, Wohnungslosigkeit, Obdachlosigkeit
audio
49:58 Min.
Feministische Perspektiven auf Krieg und Frieden
audio
49:57 Min.
Spielsucht und Anti-Rassimus Arbeit in OÖ
audio
31:22 Min.
Verhaltenssüchte behandeln
audio
50:00 Min.
Weltempfänger: Referendum Italien
audio
54:07 Min.
Beziehung zwischen Mensch und KI
audio
50:00 Min.
Rostrot das Pflaster und Radioastronomie

Es gibt einige Bilder aus der Zeit der RAF, die den Terrorismus der siebziger
Jahre weit über seine geschichtliche und politische Bedeutung hinaus lebendig
gehalten haben. Dazu gehören jene, die damals von unglaublicher
Wirkungsmacht waren, doch heute eher befremden, wie die Fotos des toten
Holger Meins. Dazu gehören aber auch solche, die erst nach Auflösung der RAF
1998 Karriere gemacht haben und seitdem in den Rang von Stilikonen
aufgestiegen sind, wie zum Beispiel die Aufnahmen von Andreas Baader und
Gudrun Ensslin in betont lässig-modischen Klamotten und frivoler Laune beim
Brandstifter-Prozess in Frankfurt 1969. Es gibt aber auch eine kleine Anzahl von
Bildern, die sich damals wie heute der allgemeinen Zirkulation der Darstellungen
und Diskurse entzogen haben, allen voran die Aufnahmen des entführten Hanns
Martin Schleyer im so genannte Volksgefängnis der RAF im Herbst 1977. Es sind
Bilder, die noch immer mehr oder weniger kommentarlos gezeigt werden und die
sich nicht so einfach einordnen und benutzen lassen wie andere aus der Zeit.
Die Fotos vom toten Holger Meins und der gefangenen Ulrike Meinhof sprechen
eine Bildsprache der Vergangenheit. Die popkulturellen Adaptionen der RAFIkonen
in Romanen und Filmen wie Leander Scholz´ Rosenfest (2001) und
Christopher Roths Baader (2002) dagegen haben nichts mehr mit konkreter
Geschichte zu tun. Die Bilder des entführten Schleyers aber stehen am Anfang
eines Bildterrorismus, der seit dem Irakkrieg 2003 dramatische Ausmaße
angenommen hat. Auch wenn 1977 die Terroristen damit letztlich erfolglos
geblieben sind, hat diese Form des Bildterror, im Gegensatz zu anderen Bildern
aus der RAF Zeit, ihre erschreckende Aktualität bis heute erhalten.

Sie hören im Feature einen Mitschnitt aus dem Vortrag von Charlotte Klonk zum Bildterrorismus im Deutschen Herbst 1977. Charlotte Klonk ist Kunsthistorikerin an der HU Berlin. Der Vortrag fand im Rahmen des Kulturgeschichtetag 2007 in Linz statt.

Ein Feature von Pamela Neuwirth

Schreibe einen Kommentar