Historische Heizkonzepte

Podcast
Simple Smart Buildings
  • 201_Historisches_Raumklima_02
    27:32
audio
24:08 min.
Historisches Raumklima 
audio
25:48 min.
Pilzschutzstrategien
audio
27:00 min.
Unzugängliche Holzteile
audio
22:30 min.
Pilzsanierung am Bauteil
audio
26:29 min.
Biologie der Holzpilze
audio
15:00 min.
Chemischer Holzschutz
audio
16:00 min.
Schädlingsbekämpfung in Wohnräumen
audio
21:01 min.
Holzzerstörende Insekten 
audio
27:08 min.
Splintholzkäfer-Befall

Wandtemperierung

In der langwierigen Bauphase der Neuen Burg erfolgte ein Paradigmenwechsel von den Meißnerschen Öfen im Erdgeschoss zur Dampfheizung in den Obergeschossen, die Eduard Meter als Schüler von Karl Böhm berechnete und umsetzte. Das 19. Jahrhundert verfügte über umfassendes empirisches Wissen zur Bauphysik, darunter die Berücksichtigung von Körperwärme ganzer Schulklassen und die Nutzung von Schwerkraftsystemen, während spätere Konvektionsheizungen häufig zu ungleichmäßiger Verteilung und höherem Energieaufwand führten. Alfons Huber, getrieben vom beharrlichen Fragen nach dem Warum, agierte als citizen scientist und reduzierte die installierte Heizleistung entgegen Ö-Norm-Vorgaben, indem er Steigstränge und Fenster als Wärmequellen nutzte, Radiatoren teilweise entfernte und intensive Experimente mit Lichtschutzmaßnahmen gegen Korpuskularstrahlung durchführte, wobei er die Stefan-Boltzmann-Beziehung und die Dritte Scheibe im Kastenfenster einsetzte.

Diese Erkenntnisse mündeten in das EU-Forschungsprojekt PREVENT zur Suche nach dem Heizsystem mit dem geringsten konservatorischen Schadenspotenzial, das in der Kartause Mauerbach fünf Systeme – Kachelofen, Radiatorheizung, Wandschale, Fan-Coil und Temperierung mit Röhrchen – bei gleichem Setpoint von 15 Grad verglich. Wandtemperierung nach Henning Grosseschmidt erwies sich als überlegen mit minimalem Temperaturgradienten und deutlicher Energieeinsparung, wie auch der Vergleich in Schloss Skokloster bestätigte, wo ein temperiertes Pförtnerhäuschen 28 Prozent weniger Verbrauch aufwies. Unbeheizte historische Räume belegen die Vorteile des saisonalen Gleitens in engen Klimakorridoren, das innere Verwitterung verhindert und eine zukunftsfähige, ressourcenschonende Alternative zu konventioneller Klimatechnik darstellt.

Quellen:

Frederic Boody, Henning Großeschmidt, Wolfgang Kippes, Michael Kotterer (Hrsg.), Klima in Museen und historischen Gebäuden. Die Temperierung. EU-1383

Nähere [Informationen zur Temperierung](https://www.idam.at/bauphysik/bauteilheizung/).

PREVENT, Wissenschaftliche Reihe Schloss Schönbrunn,Wien 2004.

Alfons Huber, „Fenster im Kunsthistorischen Museum“. In: Technologische Studien des Kunsthistorischen Museums, Wien 2007, S. 154-189

Alfons Huber, Kontrollierter Luftwechsel – der Schlüssel für ein nachhaltiges Klimamanagement“, in: Technologische Studien des Kunsthistorischen Museums Bd. 6, Wien 2009, S. 10-45

Alfons Huber, Ökosystem Museum, Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Naturwissenschaften an der Akademie der bildenden KünsteWien, 2011

Alfons Huber, „Warme Wände“ oder „warme Luft“? Systemimmanente Tendenzen im Raumklimaverhalten bei unterschiedlichen Heizsystemen in Abhängigkeit vom Nutzerverhalten – ein Praxisvergleich.“ In: Die Temperierung. Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Nr. 8, München 2014, S. 61-74

Alfons Huber (mit Jochen Käferhaus und Roland Frey), Thermische Sanierung im Altbau-Bestand – Annäherung an eine objektive Evaluierung. S. 1-33, Wien 2014

Documenti

201_Alfons_Huber_hist_Raumklima_TranS_T2, PDF, 132.2 kB Scarica

Lascia un commento