Korruption ohne Konsequenzen? Warum die FPÖ trotzdem gewählt wird

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In dieser Ausgabe VON UNTEN im Gespräch sprechen wir über den Grazer FPÖ-Spesenskandal und die Frage, warum Korruptionsskandale der Partei an der Wahlurne so wenig schaden.
Alieren Renkliöz ist freier Journalist und Lyriker. Im Jänner 2025 haben sich er und Tamara Ussner von der VON UNTEN Redaktion gemeinsam auf die Recherche zu dieser Frage gemacht.

Seit über vier Jahren wird gegen die ehemalige Führungsspitze der Grazer FPÖ ermittlet – im Raum steht eine Summe von rund 1,8 Millionen Euro an Klubgeldern, die über Jahre nicht nachvollziehbar verwendet wurden. Bekannt geworden war der Fall 2021 durch anonym weitergegebene Spesenabrechnungen, der damalige Klubfinanzreferent Matthias Eder erstattete Selbstanzeige, die gesamte Parteispitze (Mario Eustacchio, Armin Sippel) trat zurück. Bis heute wurde im Hauptverfahren keine Anklage erhoben. Rechtskräftige Verurteilungen gibt es jedoch gegen den ehemaligen FPÖ-Gemeinderat Roland Lohr aufgrund von Kindesmissbrauchsdarstellungen am Rechner, sowie eine Verurteilung eines Burschenschafters und Verwandten eines FPÖ-Nationalratsabgeordneten, aufgrund der Produktion und des Verkaufs der schwer abhängig machenden Droge Crystal Meth.
Wir fragen: Warum bleibt die FPÖ trotz eines derart langwierigen und vielschichtigen Skandals in Umfragen und Wahlergebnissen so stark? Auch in den Umfragen zur Grazer Gemeinderatswahl am 28. Juni 2026 wird der FPÖ ein Zuwachs von rund 5 Prozent prognostiziert.

Im Zentrum aller Gespräche steht die Motivation der FPÖ-Wähler:innenschaft, dafür haben wir auch mit zahlreichen FPÖ-Wähler:innen gesprochen.
Außerdem geht es um die Rolle der Medien: Mit Daniela Ingruber sowie den beiden ehemaligen, langjährigen FPÖ-Funktionär:innen Claudia Schönbacher und Alexis Pascuttini sprechen wir über den Umgang der Bevölkerung mit klassischen Medien und Social Media – und darüber, wie die FPÖ diese gezielt für ihre Zwecke instrumentalisiert. Ingruber, Expertin für politische Kommunikation, erläutert, warum die FPÖ trotz wiederholter Skandale ihre politische Macht behauptet und sie erklärt, warum die Partei – trotz der vielen Korruptionsskandale – kaum an politischer Substanz verliert, weil ihre Anhängerschaft thematisch sehr stark gebunden ist und sich viele wieder eine sinnvolle Sozialpolitik wünschen, die sie von der SPÖ nicht mehr erwarten.
Wir fragen Daniela Ingruber auch, ob die Funktion seriöser Medien als „vierte Gewalt“ in der Demokratie zunehmend an Bedeutung verliert, wie schnell eine Orbanisierung Österreichs passieren könnte – und was das konkret für den Rechtsstaat bedeuten würde, etwa mit Blick auf Fälle wie den Grazer Finanzskandal, der bislang ohne Konsequenzen für die mutmaßlich handelnden Personen blieb. Am Ende sprechen wir mit ihr darüber, wie wir alle einer Faschisierung entgegentreten können.

Für alle im Zusammenhang mit Ermittlungsverfahren genannten, nicht rechtskräftig verurteilten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Fotocredits: Universalmuseum Joanneum
Lizenz: Creative Commons

Shownotes: 
Hier findet ihr das gesamte Interview mit Daniela Ingruber.
Sie arbeitet am Institut für Strategieanalysen zu den Themen Demokratieverständnis, Vertrauen in Demokratie, ethische Medien und beschäftigt sich mit Social Media und KI. Hier findet ihr mehr Informationen zu ihrer Arbeit.

Mehr über den Journalisten und Lyriker Alieren Renkliöz und seine Arbeit findet ihr hier.

Wieso die Social Media Strategie der Rechten gerade auf TikTok so gut funktioniert hört ihr im Gespräch mit Gabriel Malli. Im Follow-Up gehen wir mit ihm der Frage nach, wie auch progressive politische Akteur:innen Social Media wirksam zur Mobilisierung einsetzen können.

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