Radiabled: gestern auf ganz neuen Paden und sehr speziell. Reinhören lohnt sich. Stimmen der Freiheit: Inklusion, Alltagshürden und ein unschlagbares Team bei Radio FRO

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  • 2026.05.12_1900.10-2000.00__Infoschiene
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Stimmen der Freiheit: Inklusion, Alltagshürden und ein unschlagbares Team bei Radio FRO
Es ist ein lauer Abend in Linz, die Uhr zeigt kurz vor 19:00 Uhr. In den Räumlichkeiten von Radio FRO, dem freien Rundfunk oberhalb der Donau, herrscht eine ganz besondere Anspannung. Seit dem Jahr 2008 ist Harald eine feste Größe in der Radiolandschaft, doch die heutige Sendung sollte in die Geschichte seines persönlichen Archivs eingehen. Es war ein Moment, der zeigte, dass man trotz bester Planung manchmal an die Grenzen der Logistik stößt – und dass wahre Unterstützung dort auftaucht, wo man sie am meisten schätzt.

Die Ausgangslage war prekär: Harald hatte für den heutigen Abend insgesamt 15 verschiedene Assistenten angefragt. Doch wie durch eine seltsame Fügung des Schicksals hatte niemand Zeit. Für einen Moderator, der auf technische Unterstützung angewiesen ist, um eine reibungslose Live-Sendung zu garantieren, ist dies ein Albtraum-Szenario. Doch in dieser Stunde der Not trat Radiosupermaus auf den Plan. Sie ist nicht nur seit Oktober letzten Jahres ein fester Bestandteil von Haralds Leben, sondern bewies an diesem Abend, dass auf sie in jeder Lebenslage Verlass ist. Ohne zu zögern übernahm sie die Regler, das Mischpult und die Verantwortung für die Technik, damit Harald sich voll und ganz auf das konzentrieren konnte, was er am besten kann: den Menschen eine Stimme geben.
Der österreichische Gesetzes-Fleckerlteppich: Ein Hindernis für die Freiheit
Eines der Hauptthemen der heutigen Sendung war die bürokratische Realität für Menschen mit Behinderungen in Österreich. Harald und Radiosupermaus analysierten scharfzüngig den sogenannten „Gesetzes-Fleckerlteppich“. In Österreich gibt es nicht ein einheitliches Bundesgesetz für die Belange von Menschen mit Beeinträchtigungen, sondern neun verschiedene Landesgesetze. „Es kommt ganz darauf an, auf welcher Seite der Landesgrenze du aufwachst oder lebst“, erklärte Harald im Live-Gespräch.

Zwar wurde Oberösterreich in der Sendung als eines der fortschrittlicheren Bundesländer hervorgehoben – vor allem durch das Chancengleichheitsgesetz und die Arbeit der Interessenvertretungen –, doch das Grundproblem bleibt bestehen. Wer von Oberösterreich nach Niederösterreich oder in die Steiermark zieht, verliert unter Umständen seine gewohnten Ansprüche auf persönliche Assistenz oder spezifische Wohnformen. Diese föderale Zersplitterung führt dazu, dass Inklusion zu einer Postleitzahlen-Lotterie wird. Radiosupermaus ergänzte treffend, dass diese Kleinstaaterei innerhalb eines so kleinen Landes wie Österreich die Mobilität und Selbstbestimmung massiv einschränkt. Ein einheitliches Bundesgesetz wäre die einzige logische Konsequenz, um allen Bürgern die gleichen Rechte zu garantieren, egal ob sie in Linz, Graz oder St. Pölten leben.
Die Triade der Kommunikation: „Reden Sie mit mir, nicht über mich!“
Ein besonders emotionaler Moment der Sendung war die Diskussion über die soziale Wahrnehmung. Harald erzählte eine Geschichte, die viele Menschen mit Behinderung nur zu gut kennen. Er befand sich in einem großen Elektronikmarkt, um ein spezielles Fernsehkabel zu kaufen. Er wusste genau, was er wollte. Doch die Verkäufer im Laden ignorierten ihn beharrlich und sprachen stattdessen seine Begleitperson an. „Ich sitze da, habe das Geld in der Hand und weiß, was ich brauche, aber ich werde unsichtbar gemacht“, beschrieb Harald die Situation.

Hieraus entwickelten Harald und Radiosupermaus das Konzept der „Triade“. In einer Interaktion gibt es oft drei Pole: den behinderten Menschen, die Assistenz und das Gegenüber (z. B. einen Verkäufer). In einer idealen Welt sollte die Kommunikation direkt zwischen dem Kunden und dem Verkäufer stattfinden, während die Assistenz nur im Hintergrund unterstützt. Doch die Realität sieht oft so aus, dass die Assistenz zur „Auskunftsperson“ gemacht wird, während der Betroffene entmündigt wird. Der Appell der Sendung war klar: Inklusion beginnt im Kopf und in der direkten Ansprache. „Nichts über uns ohne uns“ ist kein leerer Slogan, sondern eine tägliche Forderung nach Respekt und Sichtbarkeit.
Ein Blick über die Grenzen: Kosovo und die Kraft der Empathie
Radiosupermaus brachte eine faszinierende Perspektive in die Diskussion ein, indem sie den Blick auf den Kosovo lenkte. Die rechtliche und staatliche Situation dort ist kaum mit der in Österreich zu vergleichen. Es fehlt an stabilen Sozialsystemen, an staatlich finanzierter Assistenz und an barrierefreier Infrastruktur. Doch Radiosupermaus berichtete von einer interessanten Beobachtung: Während in Österreich die Struktur stark ist, aber die menschliche Empathie oft an Barrieren stößt, ist es im Kosovo oft umgekehrt. Dort gibt es eine tief verwurzelte Kultur der gegenseitigen Hilfe und eine hohe private Wertschätzung für Menschen innerhalb der Gemeinschaft.

Diese Gegenüberstellung machte deutlich, dass Gesetze zwar die Basis für ein sicheres Leben bilden, aber nicht automatisch für eine inklusive Gesellschaft sorgen. Man kann die besten Rampen der Welt bauen – wenn die Menschen nicht bereit sind, auf Augenhöhe zu kommunizieren, bleibt die Barriere im Geist bestehen. Harald und Radiosupermaus waren sich einig: Wir brauchen in Österreich beides – die starke rechtliche Absicherung UND die menschliche Wärme, die jeden Einzelnen so annimmt, wie er ist.
Personalmangel und die Krise der Assistenz
Ein weiteres brennendes Thema war der eklatante Mangel an Fachkräften und persönlichen Assistenten. Harald berichtete, dass es immer schwieriger wird, qualifizierte Leute zu finden, die bereit sind, diese verantwortungsvolle Arbeit zu leisten. In Altersheimen müssen bereits Stationen gesperrt werden, weil das Personal fehlt. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Freiheit von Menschen mit Behinderung. Wenn keine Assistenz verfügbar ist, wird das selbstbestimmte Leben zur Illusion.

Radiosupermaus betonte, dass dieses Problem uns alle angeht. Jeder kann durch einen Unfall, einen Bänderriss oder eine Krankheit plötzlich auf Hilfe angewiesen sein. Barrierefreiheit und ein funktionierendes Assistenzsystem sind keine „Sonderwünsche“ einer kleinen Gruppe, sondern eine Versicherung für die gesamte Gesellschaft. Die heutige Sendung, in der Harald 15 Absagen erhielt, war ein lebendiges und warnendes Beispiel für diesen Engpass.
Das Dreamteam an den Reglern
Trotz der ernsten Themen war die Stimmung im Studio von Optimismus geprägt. Dass Radiosupermaus kurzfristig einsprang, erwies sich als Glücksfall. Die Zusammenarbeit funktionierte blind. Da sie bereits seit Oktober regelmäßig dabei ist, kennt sie Haralds Abläufe genau. Dies spart Harald nicht nur wertvolle Assistenzstunden aus seinem Budget, sondern schafft auch eine Atmosphäre des Vertrauens, die man über die Ätherwellen bis in die Wohnzimmer der Hörer spüren konnte.

„Ich glaube, das mache ich jetzt öfter so“, resümierte Harald am Ende der Sendung. Es ist die perfekte Synergie: Harald kann sich auf seine Moderation und seine Gäste konzentrieren, während Radiosupermaus im Hintergrund die Fäden zieht. Es zeigt, dass Inklusion auch bedeutet, neue Wege zu gehen und Ressourcen dort zu nutzen, wo echtes Engagement und Liebe zur Sache vorhanden sind.

Wir verabschieden uns von einem inspirierenden Abend bei Radio FRO und freuen uns auf die nächste Sendung in 14 Tagen. Eines ist sicher: Ob mit 15 Assistenten oder mit der Radiosupermaus allein – Haralds Stimme wird weiterhin laut und deutlich für die Rechte derer eintreten, die viel zu oft überhört werden.

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