Die Dachneigung entstand über Jahrhunderte aus den äußeren Rahmenbedingungen einer regenreichen Region im Nordstau der Alpen, wo der Schutz vor Niederschlag elementare Notwendigkeit ist. Je steiler die Fläche, desto rascher konnte das Wasser ablaufen, doch zugleich begrenzte das lokal verfügbare Deckungsmaterial die möglichen Formen. Während ackerbaulich geprägte Gegenden langhalmiges Stroh nutzten und damit steilere Dächer banden, die zugleich als Bergeraum dienten, erzwang das innere Salzkammergut mit knappen Flächen und forstwirtschaftlicher Priorität die Holzdeckung aus gespaltenen Schindeln. Deren Befestigung auf steileren Flächen setzte jedoch eiserne Nägel voraus, die lange kostbar blieben; so herrschten Legdächer mit geringen Neigungen von fünfzehn bis achtzehn Grad vor, bei denen die Schindeln lediglich aufgelegt und mit Latten sowie Steinen beschwert wurden, was wiederum die Feuchtigkeitsbelastung und den Verfall beschleunigte.
Mit der Ausweitung der Salzwirtschaft und der kostengünstigen Herstellung geschmiedeter Nägel wurden steilere Konstruktionen möglich, zunächst als gelagerte Dächer um vierzig Grad und später durch das aus dem Norden kommende Sparrendach, das konstruktiv steilere Neigungen begünstigte und den älteren Pfettendachstuhl ablöste. Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ordnete die Saline die Aufsteilung flacher Legschindeldächer an, um Holz zu sparen, und der Bahnanschluss eröffnete schließlich den Zugang zu vielfältigen Materialien und damit auch Neigungen. Diese wirtschaftshistorische Entwicklung erzeugte ein Nebeneinander unterschiedlicher Formen, das bisweilen das gewachsene Gesamtgefüge stört und daher eine bewusste Besinnung auf die baukulturelle Tradition verlangt, damit künftige Dachneigungen sich möglichst harmonisch in den vorhandenen Bestand einfügen.
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