In dieser Episode von „Simple Smart Buildings“ diskutiert Architekt Michael Zinner mit Friedrich Idam über die Architekturausbildung und das Konzept der „Sehhorizonte“, das den Einfluss kulturellen Wissens auf die Architektur beleuchtet. Zinner betont die Herausforderungen im Schulbau und die Notwendigkeit nachhaltiger Praktiken, insbesondere angesichts äußerer Krisen. Er plädiert für kreative Ansätze durch die Wiederverwendung von Materialien und die Berücksichtigung des Genius Loci. Zinner fordert dazu auf, die Paradigmen der Architektur zu hinterfragen und innovative Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.
Michael Zinner – Architektur ohne Namen
Wer heute vor einem alten Bauernhaus steht, spürt sofort: Hier fügt sich alles zusammen. Haus, Landschaft und Material wirken wie selbstverständlich vereint – als wären sie gemeinsam entstanden.
Gebaut wurde mit dem, was der Ort hergab: Stein, Holz, Lehm. Die Form des Hauses folgte dem Gelände, dem Klima, den verfügbaren Mitteln. Schindeln schützten die Wetterseite, dicke Mauern hielten im Winter die Wärme – jedes Detail eine direkte Antwort auf die Umgebung.
Diese Architektur entstand aus einer systemischen Ganzheit: Wetter, Boden, Vegetation, Material, soziale Ordnung und kultureller Hintergrund wirkten zusammen. Sie war keine Idee auf dem Papier, sondern ein gewachsenes Gefüge – tief verwurzelt im Alltag.
Das Wissen darüber wurde weitergegeben: Der Vater lehrte den Sohn. Generation für Generation wurde beobachtet, verbessert, angepasst. Fehler wurden erkannt und korrigiert. So entwickelte sich das Bauen langsam weiter – durch Erfahrung, nicht durch Theorie.
Es ist eine Architektur ohne Ich – gewachsen aus dem „Wir“. Kein Einzelner steht dahinter, sondern viele Hände, viele Entscheidungen, über Jahrhunderte hinweg.
Heute liegt die Aufgabe darin, dieses gewachsene Wir-Wissen mit dem Ich-Bewusstsein des Einzelnen zu verbinden – für eine Architektur, die wieder Teil des Ganzen











