Vive l’Europe! #69 – Die unterschätzte Gefahr der Lichtverschmutzung

Podcast
Vive l´Europe
  • VLE #69 Lichtverschmutzung
    24:22
audio
18:19 Min.
Vive l’Europe! #68 - Iran-Krieg: Wie lange das dauert kann keiner sagen!
audio
21:49 Min.
Vive l’Europe! #67 - Enakost spolov kot motor razvoja?
audio
18:42 Min.
Vive l’Europe! #66 - Soziale Medien entgiften – Kinderschutz gewährleisten!
audio
19:45 Min.
Vive l’Europe! #65 - Wie kann Integration in ländlichen Regionen gelingen?
audio
17:55 Min.
Vive l'Europe! #64 - Kdo jamči za našo varnost v digitalnem svetu?
audio
16:27 Min.
Vive l’Europe! #63 – Narrative zur Klimazukunft: Polarisierungen auflösen
audio
19:14 Min.
Vive l’Europe! #62 - … immer diese Migrationspanik!
audio
18:58 Min.
Vive l’Europe! #61 - Das europäische Wunder unter Druck
audio
16:47 Min.
Vive l’Europe! #60 - … es bedarf einer Rassismus-kritischen Bildung

Svetlobno onesnaženje je vse bolj prisoten pojav, ki mu ne posvečamo dovolj pozornosti. Prekomerna nočna osvetlitev vpliva na naravo, živali in na zdravje ljudi. Posvetili se bomo vzrokom in posledicam svetlobnega onesnaženja, predstavljamo pa tudi navdihujoče primere naravnih parkov, občin in zveznih dežel, ki dokazujejo, da lahko z odgovorno rabo svetlobe ohranimo naravno temo noči.

Die heutige Reportage „beleuchtet“ die Ursachen, Auswirkungen und beispielhaften Aktivitäten zum Phänomen „Lichtverschmutzung“. Denn, die Problematik, dass übermäßiges künstliches Licht in der Nacht unsere Umwelt, Tierwelt und Gesundheit beeinträchtigt, scheint im öffentlichen Diskurs noch „unterbelichtet“ zu sein. Besonders im Fokus stehen innovative Projekte wie das österreichische Lichtschutzgebiet im Nationalpark Gesäuse. Politische Interventionen zeigen, wie bewusster Umgang mit künstlichem Licht sowohl die Natur schützt als auch den Energieverbrauch minimiert. Gleichzeitig wird die Bedeutung eines verantwortungsvollen Lichteinsatzes für unsere Gesundheit und das ökologische Gleichgewicht verdeutlicht. Und, erfahren sie, warum eine Nachtwanderung in völliger Finsternis für Kinder ein berührendes Erlebnis darstellt.

Vorweg einige Definitionen zu Bedeutung und Wirkung von Lichtverschmutzung:

Der Begriff der Lichtverschmutzung bezeichnet die Aufhellung des Nachthimmels durch von Menschen erschaffene, installierte und betriebene Lichtquellen, deren Licht in den unteren Luftschichten der Atmosphäre gestreut wird. Der Begriff ist nicht eindeutig, da er auch so verstanden werden kann, dass das Licht verschmutzt sei. Stattdessen stellt jedoch das Licht selbst die Verschmutzung dar. Grund dafür ist der ursprüngliche englische Begriff „light pollution“, der sich in direkter Übersetzung im deutschen Sprachgebrauch etabliert hat. Oft wird auch von Lichtsmog gesprochen. Künstliche Lichtquellen verschmutzen durch überflüssige und schädliche Emissionen die natürliche nächtliche Dunkelheit und können deshalb als eine spezielle Art der Umweltverschmutzung angesehen werden.

Ergänzend zu dieser Feststellung – entnommen der freien Enzyklopädie Wikipedia – jene Begriffsdeutung, die der Geschäftsführer des Nationalparks Gesäuse Herbert Wölger verwendet:

Lichtverschmutzung, das ist die Erhellung des Nachthimmels mit künstlichen Lichtquellen. Unsere Erde wird in einem Tag oder in einem Hell-Dunkel-Rhythmus von der Sonne direkt und indirekt über den Mond beleuchtet und Licht, das aus anderen Quellen kommt, das nennen wir Lichtverschmutzung. Lichtverschmutzung betrifft mittlerweile die ganze Welt. 2001 haben 65 Prozent der Erdbewohner unter Lichtverschmutzung gelebt. Das kann man so definieren, dass sie die Milchstraße von ihrem Haus aus nicht sehen konnten und 2016 waren es bereits 83 Prozent.

Und die Medizinerin Angelika Kugi stellt, mit Bezug auf Auswirkungen von Lichtverschmutzung bzw. übermäßigen Einfluss von künstlichem Licht auf Menschen, fest:

Also übermäßiges künstliches Licht in der Nacht, bewirkt bei Menschen eine Störung der inneren Uhr, eine Störung des circadianen Rhythmus, und dies kann bei Menschen zu gravierenden negativen gesundheitlichen Folgen führen. Lichtverschmutzung, also nächtliche Lichtexposition, schwächt das Immunsystem des Menschen und gilt auch als Risikofaktor für Depressionen, aber auch Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes.

Soweit Definitionen und Auswirkungen, die mittlerweile erforscht und anerkannt sind. Nun wenden wir uns einem Modellprojekt zu: Die Akteure des Nationalpark Gesäuse im Dreiländereck zwischen Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark haben sich, gemeinsam mit zwanzig beteiligten Gemeinden, zum Ziel gesetzt, der Lichtverschmutzung aktiv zu begegnen, GF Herbert Wölger zu den Intentionen:

Das Ziel ist bei uns, diesen guten Zustand, den dunklen Nachthimmel zu erhalten. Und da gibt es das Instrument, das wir gefunden haben, die Zertifizierung eines Lichtschutzgebietes. Das heißt, wir unterwerfen uns freiwillig einem Regelwerk, das besagt, dass wir die dunkle Nacht nicht weiter künstlich erleuchten. Ganz im Gegenteil, wir sind sogar verpflichtet, dass das bisschen Kunstlicht, das wir haben, dass wir das weiter reduzieren. Das machen wir im Nationalpark weniger, weil wir im Nationalpark fast keine Lichtquellen haben. Da sind die Gemeinden am Werk und da gibt es 20 Gemeinden zwischen diesen drei Bundesländern, die auf ihre öffentliche Beleuchtung schauen müssen. Und das Ziel ist, wenig Beleuchtung zu haben in der Nacht. Wir Menschen sollen besser schlafen. Der natürliche Rhythmus für Tiere und Pflanzen soll so natürlich bleiben, wie er jetzt noch ist. Und nicht zuletzt, wir sparen Energie, denn 20 Prozent weltweit der Energie wird aufgewendet, um die Nacht zu erhellen.

Und die Bemühungen um eine Zertifizierung als „Lichtschutzgebiet“ – wie von GF Wölger erwähnt – haben sich gelohnt und zum größten Lichtschutzgebiet in Österreich geführt:

Am 17. März wurde uns unser Zertifikat von der International Dark Sky Organization verliehen. Das ist eine Zertifizierungsstelle, die in den USA sitzt und die weltweit Lichtschutzgebiete zertifiziert. Wir sind die zweite Organisation in Österreich, die sowas bekommt. Der zweite zertifizierte Lichtschutz, jetzt nicht Park, wie am Attersee, sondern Reserve wie bei uns. Wir sind damit das größte Lichtschutzgebiet in Österreich vorerst. Wir hoffen, dass noch weitere nachkommen und wir sind angeblich das fünftgrößte weltweit.

Der konkrete Beitrag der Gemeinden im gemeinsamen Lichtschutzprojekt gestaltet sich nun wie folgt:

Die Gemeinden im Gebiet verpflichten sich per Gemeinderatsbeschluss dazu, dem Regelwerk der Dark Sky Organization zu folgen. Das heißt, in der Straßenbeleuchtung gewisse Kriterien einzuhalten. Da geht es um die Lichtfarbe. Das Licht soll eher gedämpftes rötliches Licht sein und nicht grelles bläuliches Licht. Da geht es aber auch um die Anzahl der Lichtpunkte insgesamt. Da geht es um Leuchtdauer. In Admont wird beispielsweise ein Großteil der Straßenlaternen neuerdings am Abend, ich glaube um 10 oder 11 Uhr abgedreht. Nur ein paar wenige leuchten die ganze Nacht durch und um fünf in der Früh werden sie wieder eingeschalten. Das hat zwei Gründe. Das eine ist, weil das mit dem Lichtschutzgebiet besser kompatibel ist und das zweite ist, weil die Gemeinde viel Geld damit spart.

An dieser Stelle sei vermerkt, dass auch andere Nationalparks vergleichbare Initiativen realisieren. Umweltlandesrat Peter Reichman erwähnt beispielsweise die Kärntner Schutzgebiete und meint, dass es weiterhin wichtig sei…

… hier Strategien und Maßnahmen zu verfolgen. So haben wir in allen vier Naturparken, also dem Nationalpark Hohe Tauern, dem Biosphärenpark Nockberge und unseren anderen beiden Naturparken, die Aktivitäten so gesetzt, dass sie an der DarkerSky Sentinel Alliance teilnehmen und im Rahmen des INTERREG Projekt DARKERSKY4CE[1] dabei sind, um Strategien gegen Lichtverschmutzung in Mitteleuropa erfolgreich umsetzen zu können.

Umfangreiche Studien belegen, dass die Verringerung unnötiger künstlicher Beleuchtung positive Wirkungen auf die Umwelt, Pflanzen, Tiere, Insekten und natürlich auch auf die Menschen hat. Gudrun Bruckner, im Nationalpark Gesäuse für Naturschutz & Forschung zuständig, erläutert ….

… ganz faszinierend ist, wenn man sich vor Augen führt, dass dieser Wechsel zwischen Tag und Nacht eigentlich eine der ältesten Konstanten auf unserer Erde ist. Also über Millionen Jahre hinweg hat sich das nicht verändert und alle Organismen haben sich an dieses Lichtregime angepasst, auch wir Menschen. Und jetzt innerhalb von wenigen Jahrzehnten verändern wir diesen Rhythmus massiv eben durch die Lichtverschmutzung. Nicht nur wir Menschen, auch alle möglichen anderen Lebewesen, Säugetiere, Insekten, Vögel, aber auch Pflanzen leben nach dieser biologischen Uhr und Lichtverschmutzung ist ein massiver Eingriff in dieses System.

Wir kennen die Bilder von Straßenlampen, wo Insektenschwärme angezogen werden und bis zur Erschöpfung kreisen und dann meist tot herunterfallen. Welchen Einfluss hat Lichtverschmutzung, an diesem Beispiel angesprochen, auf das Futterverhalten, zum Beispiel bei Insektenfressern wie den Fledermäusen?

Ja, das ist ein sehr, sehr spannendes Thema, ein junges Thema in der Wissenschaft. Also es gibt schon erste Forschungsergebnisse, wie sich das auch weitergreifend auswirkt. Also quasi das nennt man dann Kaskadeneffekte, also welche Effekte Lichtverschmutzung jetzt nicht direkt, sondern indirekt auf weitere Arten hat. Das Beispiel der Lampe ist sehr plakativ, das nennt man auch Staubsaugereffekt, weil sozusagen diese Insekten wie von einem Staubsauger angezogen werden. Die orientieren sich immer in einem gewissen Winkel zum Mondlicht. Also für nachtaktive Insekten ist der Mond die Hauptorientierungsquelle und sie stellen quasi, wenn sie fliegen, immer einen Bezug dazu her. Und wenn es dann eine andere Lichtquelle gibt, stellen sie auf einmal einen Bezug zu dieser Lichtquelle her und beginnen sozusagen immer kleinere Kreise zu dieser Lichtquelle zu fliegen, bis sie dort verenden, entweder aus Erschöpfung oder weil sie verbrennen oder eben einfache Beute sind. Und das ist recht spannend, denn gerade Fledermäuse sind ein gutes Beispiel. Fledermäuse, davon gibt es ja auch knapp 30 Arten in Österreich und die sind auch nicht alle gleich, verhalten sich nicht alle gleich. Es gibt welche, die eben dann zu weniger Nahrung kommen, weil die Nahrung sozusagen in der Lichtquelle verschwindet und sie diese Lichtquelle aber meiden. Diese Fledermäuse sind eben lichtmeidend, jagen auch nicht im Licht, fürchten sich selbst gejagt zu werden und dann gibt es andere Fledermausarten, die da eher tolerant sind und opportunistisch und diese Chance natürlich nutzen und sozusagen im großen Buffet speisen. Das führt wiederum zu einer Imbalance in der Fledermausvielfalt. Also so mal um einen dieser Kaskadeneffekte ein bisschen ausgeführt zu haben.

Welche Auswirkungen ergeben sich durch übermäßige künstliche Beleuchtung in den Nachtstunden auf den Tag-Nacht-Rhythmus bei Menschen – Angelika Kugi, seit 30 Jahren im Schlaflabor Villach als Ärztin tätig, fasst ihre Erfahrungen zusammen:

Zu viel künstliches Licht in der Nacht stört den Biorhythmus, den eben circadianen Rhythmus des Menschen. Das führt zum Beispiel zu einer deutlich verringerten Produktion unseres schlaffördernden Hormons Melatonin. Das Melatonin wird nur produziert, wenn kein Licht auf unsere Netzhaut trifft. Diese verminderte Produktion des schlaffördernden Hormons Melatonin führt zu Schlafstörungen. Übermäßiges Licht in der Nacht stört aber auch lebenswichtige Erholungs- und Reparaturmechanismen unserer Zellen. Das heißt, auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs werden mit der Einwirkung von künstlichem Licht in der Nacht in Verbindung gebracht. So ist zum Beispiel die Schichtarbeit, also Licht in der Nacht, seit bereits dem Jahr 2007 eine potenzielle, also wahrscheinlich, krebserregende Tatsache. Also Schichtarbeit wird von der Internationalen Agentur für Krebsforschung, das ist eine Einrichtung der WHO, als wahrscheinlich krebserregend eingestuft, bedingt durch das Licht in der Nacht und dadurch die fehlenden Reparaturmechanismen gewisser Zellen.

Soweit zwei beispielhafte Erläuterungen zu Auswirkungen auf Menschen und die Natur. Wenden wir uns nun den politischen Interventionen bis hin zu konkreten gesetzlichen Maßnahmen zu – eine Vorreiterrolle in Sachen Lichtschutz nimmt das Land Oberösterreich ein – dessen Umweltlandesrat Stefan Kaineder hat sich die Frage gestellt: Wie schaffen wir es, künstliches Licht so zu reduzieren, ohne dass dabei die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger leidet? Das Ergebnis war ein eigenes Lichtschutzgesetz, seine Begründungen schildert er so:

Es ist nämlich so, wir haben mittlerweile ein Umweltproblem durch zu viel künstliches Licht. Es ist in der Nacht zu hell. Und das macht uns an ein paar Stellen Probleme. Das erste, wir schlafen schlechter. Das ist also ein Gesundheitsproblem für die Menschen. Das zweite ist, die Umwelt leidet darunter. Es gibt sehr, sehr viele Insekten und andere Tiere, die nachtaktiv sind und die finden einfach keinen Lebensraum mehr, wenn es in der Nacht überall hell ist. Und das dritte ist, wir haben einen enormen Energieverbrauch und Energie ist eine wertvolle Ressource. Jetzt haben wir im oberösterreichischen Umweltschutzgesetz als erstes Bundesland festgelegt, dass Beleuchtung tatsächlich nur mehr effizient eingesetzt werden soll und dass wir Licht eigentlich nur mehr dort haben, wo wir es wirklich brauchen.

Das heißt, Gemeinden können in der Nacht das Licht auch zur Gänze abschalten, sollen sie sogar. Außer dort, wo es für die Sicherheit der Bürger:innen notwendig ist, dort bleibt es natürlich hell. Und an ganz neuralgischen Stellen, das habe ich auch immer gesagt, an Bahnhöfen oder im Zentralraum in Linz, wo die ganze Nacht Betrieb ist, dort ist es hell. Das ist ganz logisch. Aber im Grunde schaffen wir es, dass das Licht sukzessive aus dem öffentlichen Raum verschwindet. Das künstliche Licht dort nämlich, wo wir es nicht brauchen, das ist gesünder für die Menschen, das ist gut für die Umwelt und es hilft uns sehr viel Energie zu sparen.

Gesundheit, Energieersparnis wie auch der Aspekt Sicherheit sind auch der Klagenfurter Stadträtin Sandra Wassermann ein zentrales Anliegen – neben umfassende Aktivitäten in Kärntens Landeshauptstadt, setzt sie auf …

… moderne Steuerungssysteme zur Absenkung der Lichtintensität in den Nachtstunden sowie auch die digitale Technologie, die wir hier permanent erweitern. Sie ist eine präzise Anpassung von der Helligkeit und auch von der Farbtemperatur, die uns hier ermöglicht wird. Und künftig wird auch verstärkt auf wärmere Lichtfarben, bis hin zu, das klingt jetzt ein bisschen technisch, 2200 Kelvin eingesetzt, um die Belastung für die Menschen und für die Natur weiter zu reduzieren. Zudem kommt aber eine moderne Optik, die immer wieder im Einsatz ist und die das Licht gezielt auf die Nutzflächen lenkt und so eine Abstrahlung in den Nachthimmel verhindert. Und ich glaube, durch diesen modernen Einsatz der Optiken können wir auch diese Lichtverschmutzung sehr stark verbessern. Wir arbeiten auch als Stadt an intelligenten Sensorlösungen, die das Verkehrsaufkommen in Echtzeit erfassen und die Beleuchtung entsprechend anpassen. Also eine starke Innovation, die wir hier durch die Digitalisierung bereits in der Umsetzung haben.

Es ist aber auch auf den Sicherheitsaspekt eine hohe Priorität zu legen. Für mich ist ganz wichtig, dass die Beleuchtung auch sichergestellt wird, sodass sich die Bevölkerung gerade auch in den Abend- und Nachtstunden auch sicher fühlt. Und ich glaube, dass sich Sicherheit und Umweltschutz hier ganz gut verbinden lassen.

Was kann nun der Bürger, die Bürgerin als Einzelperson machen? Geschäftsführer Herbert Wölger verweist auf Empfehlungen aus der Broschüre des Nationalpark Gesäuse:

Fast jeder von uns kann was machen. Indem wir Außenbeleuchtung in unserem privaten Bereich nur dort verwenden, wo es notwendig ist. Nur dann, wenn wir sie brauchen und in einer Stärke und Zielrichtung, wo es Sinn macht. Also wenn ich zum Beispiel meinen Garten beleuchten will, dann mache ich das bitte mit Lichtquellen, die von oben nach unten leuchten und nicht in den Himmel. Dann ist es hell dort, wo ich das Licht haben möchte. Das brauche ich auch nicht dann einschalten, wenn ich das nicht genießen kann, sondern nur dann, wenn ich es brauche – ein kleines Beispiel, wie wir vernünftig mit Licht umgehen können. Das hat nichts mit Qualitätsverlust zu tun. Wir brauchen uns nicht im Finsteren bewegen. Wir brauchen keine Angst haben, sondern wir verwenden das Licht ganz einfach auf eine sinnvolle Art und Weise dort, wo wir es brauchen und in einer guten technischen Variante.

Stichwort Angst vor Finsternis: Ein bildungspolitisches Projekt, „beleuchtet“ nun Nationalpark-Rangerin Gudrun Bruckner, sogenannte Nachtwanderungen mit Kindern im Naturpark Gesäuse und erzählt, welche Wirkung Finsternis bzw. Dunkelheit auf Kinder hat:

Am Anfang sind die meisten sehr nervös, haben Angst, fragen, ob sie das Handy mitnehmen dürfen, die Stirnlampe mitnehmen dürfen und es braucht mal Zeit, das Vertrauen zu gewinnen. Dann versuche ich zu sensibilisieren, dass wir da jetzt sozusagen auch einen Lebensraum betreten, dass das auch eine Zeit ist, wo viele Tiere aktiv werden, eigentlich erst ihren Tag sozusagen beginnen und die lebensnotwendigen Dinge wie Nahrung aufnehmen, sich paaren und Nachwuchs versorgen und so weiter erst losgehen und dass wir das natürlich nicht stören dürfen. Und dann tauchen wir ein in diese Nacht und versuchen mit allen anderen Sinnen und eben nicht dem visuellen Sinn die Natur wahrzunehmen.

Ein abschließender Gedanke von Naturschutz-Landesrat Peter Reichmann der generell einen sorgsamen Umgang mit Licht und technischen Geräten anspricht und anmerkt, …

… ich mag jetzt nicht nur auf die Lichtverschmutzung eingehen, sondern den Bogen auch zu unserem ständigen Begleiter, dem Smartphone, weiterspannen. Denn auch eine übermäßige Nutzung von smarten Geräten wie dem Smartphone kann natürlich unseren Biorhythmus, insbesondere kurz vor dem Einschlafen oder Schlafengehen erheblich beeinflussen.

Kaj je svetlobno onesnaženje? Po besedah Herberta Wölgerja gre za svetlobo, ki ne izvira iz naravnih virov, kot sta sonce ali luna. Podatki kažejo, da je leta 2001 kar 65 % ljudi živelo na območjih, kjer ni bilo več mogoče videti Rimske ceste, do leta 2016 pa se je ta delež povečal na 83 %.

Umetna svetloba ponoči moti cirkadiani (24-urni) ritem človeka, opozarja zdravnica Angelika Kugi. Posledice so lahko resne: slabši spanec, oslabljen imunski sistem ter večje tveganje za bolezni, kot so depresija, visok krvni tlak in sladkorna bolezen tipa 2. Zmanjšana tvorba melatonina zaradi svetlobe ponoči vpliva tudi na regeneracijo telesa.

Svetlobno onesnaženje močno vpliva tudi na živali, zlasti na nočne žuželke, ki se orientirajo po Lunini svetlobi. Drug, močnejši vir svetlobe žuželke pripravi do neskončnega kroženja, zaradi česar pogosto poginejo od izčrpanosti ali pa postanejo lahek plen, poudari Gudrun Bruckner iz narodnega parka Gesäuse. To ima nadaljnje posledice za druge vrste, na primer netopirje, pri katerih prihaja do sprememb v prehranjevalnem vedenju in v ravnovesju med vrstami.

Kako lahko torej pomagamo živalim in ljudem?

Primer dobre prakse je projekt svetlobno zaščitenega območja v Narodnem parku Gesäuse. Cilj pobude je ohraniti temno nočno nebo z zmanjšanjem umetne razsvetljave. Pri tem sodeluje 20 občin, ki se zavezujejo k uporabi usmerjene in časovno omejene osvetlitve, kar prispeva tudi k varčevanju z energijo.

Na politični ravni se, na primer v Zgornji Avstriji, uvajajo ukrepi za zmanjšanje svetlobnega onesnaženja, kot je zakonodaja, ki omejuje nepotrebno razsvetljavo. Mesto Celovec pa uvaja inteligentne senzorje, ki zaznajo prisotnost prometa, ter vire toplejše svetlobe, ki je manj moteča, pojasni mestna svetnica Sandra Wasserman. Poudari tudi nujnost zdravega ravnovesja med skrbjo za okolje in varnostjo, ki jo zagotavlja osvetlitev javnih površin.

Direktor narodnega parka Gesäuse pa meni, da lahko k zmanjšanju svetlobnega onesnaženja prispevamo vsi – z usmerjeno, zmerno in časovno omejeno uporabo svetlobe doma.

[1] Das Interreg Central Europe Projekt DARKERSKY4CE hat das Ziel, das Bewusstsein für die Bedeutung dunkler Nachthimmel zu stärken und eine lösungsorientierte Haltung zum Schutz von Ökosystemen und biologischer Vielfalt zu fördern. Weiterführende Informationen unter: https://darkersky4ce.inaf.it/

 

Kurzbiografien:

Dr.in Angelika Kugi ist als Internistin und Pneumologin im LKH Villach und seit über 30 Jahren im Schlaflabor tätig. Nach eigenen Angaben ist ihr die Schlafmedizin, aufgrund ihrer Interdisziplinarität und Vielfältigkeit, vor allem zur Wichtigkeit eines guten und erholsamen Schlafes für die Menschen, sehr wichtig.

Dipl.-Ing. Herbert Wölger, ein gelernter Forstwirt und Absolvent der Universität für Bodenkultur ist seit 2012 Geschäftsführer des Nationalpark Gesäuse. Das Thema Lichtverschmutzung sei ihm eine großes Anliegen. Er ist bemüht das Naturnachgebiet auch der Forschung zugänglich zu machen.

Gudrun Bruckner MSC, ist Absolventin der Technischen Universität Wien (TU), arbeite im Nationalpark Gesäuse im Fachbereich für Naturschutz & Forschung und hat sich in ihrer Masterarbeit mit dem Thema „Naturnacht“ beschäftigt. Sie war aktiv an der Planung des Naturnachtgebiets Eisenwurzen beteiligt und ist bestrebt, den naturschutzfachlichen Wert einer dunklen Region – wie in diesem Beitrag angesprochen – zu vermitteln und zu fördern.

Sandra Wassermann BA ist seit 2020 Stadträtin (FPÖ) in Klagenfurt am Wörthersee und u.a. für Angelegenheiten des Straßenbaus, Brücken und Beleuchtung zuständig.

Mag. Stefan Kaineder, ist seit 2020 Landesrat (GRÜNE) in der Oberösterreichischen Landesregierung und u.a. für die Aufgabengruppe Umweltschutz zuständig.

Mag. Peter Reichmann MBA, ist seit 2025 Landesrat (SPÖ) in der Kärntner Landesregierung. Zu seinen Referatszuständigkeiten gehört u.a. Klima- Natur- und Umweltschutz.

 

Die erste einleitende Definition zuLichtverschmutzung wurde der freien Enzyklopädie WIKIPEDIA entnommen. Der vollständige Artikel, eine Liste der Autoren und die Audiodatei ist verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Lichtverschmutzung

Fotocredits: Stefan Kaineder (LandOÖ/Werner Dedl), Peter Reichmann (Büro LR Reichmann), Sandra Wassermann (Ursula Meyer), Angelika Kugi (KABEG Villach) und Gudrun Bruckner/Herbert Wölger (NP Gesäuse/Stefan Leitner)

 

Schreibe einen Kommentar