Lisi Leitner und Andi Wahl haben es sich in dieser Sendereihe zur Aufgabe gemacht die neuere Geschichte Österreichs aus einem speziellen Blickwinkel zu beleuchten. Aus Sicht, oder besser, mit Blick auf die Lohnabhängigen. Jene Menschen also, die davon leben ihre Arbeitskraft zu verkaufen.
Österreich liegt nach dem Zweiten Weltkrieg darnieder. Der Viehbestand ist auf 15% des Vorkriegswertes eingebrochen die landwirtschaftliche Produktion erreicht erst wieder 1953 das Niveau von 1937. Viele Männer sind gefallen oder an Leib und Seele versehrt. Manche immer noch in Kriegsgefangenschaft. Im Sommer 1945 sterben ca. 42% der Neugeborenen. Die Alliierten teilen sich das Land in Besatzungszonen auf.
Bei der ersten Nationalratswahl im Nov. 1945 geht die ÖVP als klare Siegerin hervor. Sie erringt 86 der 165 Sitze, und somit die absolute Mehrheit. Dennoch wird die Regierung aus ÖVP, SPÖ und KPÖ gebildet. Viele Rechtsgrundlagen werden aus der Ersten Republik übernommen und auch den Alliierten liegt daran, dass Österreich ein stabiler Staat wird.
Auch die Gewerkschaften wollen sich als staatstragende Kraft etablieren und nimmt dafür auch eine Schlechterstellung der Lohnabhängigen in Kauf. Aber nicht nur zu Gunsten des Kapitals wurden erarbeitete Werte abgeschöpft, sondern auch zum des Wiederaufbaus der Sowjetunion. Proteste gegen diese Politik, wie etwa beim Oktoberstreik 1950, wurde von der Gewerkschaft hintertrieben und auch offensiv bekämpft. Um derlei große Proteste zukünftig nicht mehr entstehen zu lassen wurden Kollektivvertragsverhandlungen auf einzelnen Branchen aufgeteilt und über das ganze Jahr gestreckt.



