Lisi Leitner und Andi Wahl haben es sich in dieser Sendereihe zur Aufgabe gemacht die neuere Geschichte Österreichs aus einem speziellen Blickwinkel zu beleuchten. Aus Sicht, oder besser mit Blick auf die Lohnabhängigen. Jene Menschen also, die davon leben ihre Arbeitskraft zu verkaufen.
Zu Beginn der sechsten Ausgabe blicken Leitner und Wahl nochmals zurück auf den Oktoberstreik 1950 und die für die unteren Einkommensschichten sehr nachteiligen Lohn-Preisabkommen. Der Wiederaufbau nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging sehr zu Lasten der Lohnabhängigen und erweckte verständlicher Weise den Widerstand und den Zorn gegen diese asymmetrische Lastenverteilung. Auch wird nochmals die Rolle des Gewerkschaftsbunds, der die Proteste teilweise erstickte, ins Leere laufen ließ oder aktiv bekämpfte, kritisch beleuchtet.
Die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs verlangte nach mehr Arbeitskräften als Österreich alleine stellen konnte. So wurden Anwerbeabkommen mit der Türkei (1964) und Jugoslawien (1966) geschlossen. Das erste Anwerbeabkommen mit Spanien (1962) hatte für die Praxis keine Bedeutung. Damit kam einen neue Erwerbsschicht nach Österreich die von den Gewerkschaften nicht gleichberechtigt vertreten wurden, sondern, vor allem als es in den 1980ern darum ging Arbeitskräfte wieder abzubauen, zu Gunsten „einheimischer Kräfte“ in Stich gelassen wurde.
Weiters geht es um den etwas kuriosen Habsburgerstreik 1966 und die, in internationalen Vergleich, sanften Proteste des Jahres 1968. Größeren Raum schenken Leitner und Wahl der „Affäre Borodajkewycz“. Ein deutschnationaler Hochschulprofessor dessen Aussagen zahlreiche Menschen zu Protesten veranlasste. Im Zuge einer Demonstration gegen Taras Borodajkewycz wurde der ehemaliger Widerstandskämpfer und KZ-Überlebende Ernst Kirchweger so schwer verletzt, dass er starb. Damit hatte die Zweite Republik, 1965. seinen ersten politischen Toten.



